Von Sant Kirpal Singh – erste deutsche Veröffentlichung 1958

Download der deutschen Broschüre, "Mensch, erkenne dich selbst!"

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Seit Beginn der Schöpfung, mit dem ersten Aufdämmern des Ich-Bewusstseins, richtete der Mensch seine Aufmerksamkeit immer mehr auf die Frage, warum er in dieser Welt existiert und warum und wie die ganze Schöpfung entstand. Seit Zeitaltern forschte und fragte er vergeblich, nun endlich bewegte ihn sein wachsender Wissensdurst dazu, die von anderen auf diesem Gebiet erlangten Ergebnisse zu studieren.

Weise Menschen in alten Zeiten wie auch heutzutage stellten die Frage: "Was ist das für ein Wissen, durch das man alles andere erkennen kann?" Und im selben Atemzug gaben sie die Antwort: "Es ist das Wissen vom Höheren Selbst, vom wahren Menschen." Das höchste Wissen also befasst sich, in Theorie und Praxis, mit der wahren Natur des Menschen und seiner Beziehung zu Gott. Es ist tatsächlich eine Naturwissenschaft, die keine Hypothese braucht (sondern auf Fakten beruht). Sie unterliegt nicht dem Wandel und ist nicht zeitgebunden.

Im alten Indien nannte man sie "Para Vidya" (die Wissenschaft der verwirklichten Wahrheit oder die Wissenschaft vom Jenseits), und seither erfand man verschiedene Bezeichnungen, um diese Wissenschaft zu definieren. Daraufhin wurde der Begriff "Apara Vidya" eingeführt. Er bezeichnet die Vorbereitung, die notwendig ist, um das Wissen von "Para Vidya" zu erlangen. Diese Vorbereitung besteht aus einer ethisch und moralisch hochstehenden Lebensführung sowie in Konzentrations- und Meditationsübungen. Beides ist für die spirituelle Entwicklung unerlässlich.

Um diese Wissenschaft zu bezeichnen, ändert der Mensch ständig die Begriffe oder führt neue Namen oder Terminologien ein. Die Meister wurden "Sants" genannt und diese Art des Wissens "Mat", wodurch der Begriff "Sant Mat" entstand, der heute am häufigsten gebraucht wird, um den Weg der Meister zu beschreiben. Andere Begriffe wie Shabd Yoga, Surat Shabd Yoga und Sehaj Yoga werden ebenfalls dafür verwendet.

Im Sanskrit ist mit dem Wort "Sant" ein Meister höchster Stufe gemeint, und "Mat" bedeutet eine Feststellung oder Aussage, die ein Experte durch eigene Erfahrung bestätigt. Diese Wissenschaft basiert auf den Ergebnissen kritischen Studierens, genauer Nachforschungen und der lebenslangen persönlichen Überprüfung der Aussagen, die durch die praktische Erfahrung des eigenen Selbst als Tatsachen bestätigt werden. Ein kompetenter Meister ist bereit, jedem, der zu ihm kommt, eine derartige Erfahrung des Selbst zu geben. Sant Mat ist daher die Lehre, die Methode und der Weg der Heiligen.

Die Meister legen keinen Wert auf Namen oder Bezeichnungen. Die Tatsache, dass viele religiöse Sekten, Gruppen oder Kreise diese Wissenschaft für sich beanspruchen und sie nach ihren Führern oder Gründern benannt haben, spielt für sie keine Rolle. Sie betrachten diese Gruppierungen als Schulen, in denen der Mensch – das edelste Wesen der Schöpfung – gemeinsam mit anderen, die so wie er Kinder des einen allmächtigen Vaters sind, lernen kann.
Ein Meister (auch Sant Satguru genannt) beherrscht sowohl die Theorie als auch die Praxis vollkommen. Er ist kompetent, allen aufrichtigen Suchern nach der Wahrheit – ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihres Standes und ihrer Religion – beides zu vermitteln, das Wissen und die Erfahrung.

Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, arm oder reich, jung oder alt, Weiser oder Sünder, gebildet oder ungebildet, der die theoretische Seite dieser Wissenschaft verstehen kann, hat das Recht, dieses Wissen zu erlangen.

Der heutige Zustand verschiedener Glaubensrichtungen und Konfessionen
Das Wörterbuch definiert Mat als Weisheit, aber im allgemeinen Sprachgebrauch meint man mit diesem Begriff eine Sekte oder eine Glaubensgemeinschaft, eine Gruppe von Menschen mit gewissen gemeinsamen Überzeugungen oder Glaubensvorstellungen. Ohne die Unterstützung einer persönlichen Erfahrung sind derartige Glaubensvorstellungen und Überzeugungen aber nicht ausreichend, denn sie beruhen auf bruchstückhaftem Wissen und Lehren, und so wird der Suchende durch leere Worte irregeführt. Viele Gemeinschaften, Glaubensrichtungen und andere religiöse Kreise haben denen, die nach Spiritualität dürsten, nur ein Vermächtnis von Büchern, Glaubenssätzen und Theorien anzubieten. Sie verstecken ihre Unzulänglichkeiten und Schwächen hinter der Fassade eines herzlichen Willkommens, einer Flut von Techniken und Terminologien und der freizügigen Verwendung von Aussprüchen und Zitaten aus der enormen Menge an Literatur, die heutzutage auf dem Markt ist. Propaganda und Show haben den Platz praktisch gelebter Spiritualität eingenommen. So kommt es, dass die getäuschte Öffentlichkeit von den Heiligen Büchern und Gedanken über Gott nichts mehr wissen will und auch der Atheismus ständig zunimmt.

An eine Sache oder eine Gegebenheit zu glauben, ohne sich darum zu bemühen, sie zu erforschen, macht einem intelligenten Menschen keine Ehre. Im Gegenteil, es zeigt seine Unwissenheit und Leichtgläubigkeit. Ein Glaube, der nicht auf persönlicher Erfahrung und dem Überprüfen der Fakten beruht, hat wenig Wert. Der moderne Mensch will eine klar definierte, eindeutige Wissenschaft, die durch eigene Erfahrung bestätigt werden kann und konkrete Ergebnisse bringt. Wir sollten daher besser mit unseren eigenen Augen und Ohren sehen und hören als mit den Augen und Ohren anderer.

Selbstanalyse
Der Mensch besteht aus Körper, Gemüt (Verstand) und Seele. Wir achten sehr darauf, uns körperlich und geistig zu entwickeln, verstehen aber sehr wenig von der Seele, der Kraft, die sowohl den Körper als auch das Gemüt beherrscht. Die körperlichen Freuden sind nicht von Dauer, der Körper und das Gemüt haben Begrenzungen, die wir nicht ignorieren können. Wir müssen also nach der bleibenden Quelle von Freude und Frieden in uns selbst suchen. Selbstanalyse ist der erste Schritt in diese Richtung.

Hier drängen sich uns viele Fragen und Zweifel auf. Die meisten Menschen glauben, dass es eine Allmächtige Kraft gibt – Gott genannt. Sie verehren Ihn und sprechen von Ihm. Können wir mehr über Ihn erfahren? Können wir Ihn sehen und mit Ihm sprechen? Auf jede dieser Fragen gibt es eine eindeutige und klare Antwort. Mit wenigen kurzen Worten erklären die Meister: "Ja, wir können Ihn sehen und mit Ihm sprechen, wenn wir so erhaben werden, wie man es von Ihm sagt." Die Meister sagen: "Ja" (es ist möglich), und wir brauchen nicht bis zum Tod zu warten, sondern können diese Erfahrung jetzt erlangen. Dies steht im Einklang mit Naturgesetzen, über die wir bislang noch nichts Nennenswertes wissen.

Überall um uns sehen und fühlen wir, dass alles – angefangen vom winzigen Atom bis hin zum gewaltigen Universum – durch Naturgesetze regiert wird. Für einen tiefgründigen Denker gibt es nichts Chaotisches, Zufälliges oder Ungewisses, was das Universum anbelangt und die Gesetze, die es lenken. Will man ein bestimmtes Ziel erreichen, so sind immer ein Naturgesetz, ein Prinzip und eine Methode beteiligt, die dazu dienen, den Erfolg unserer Bemühungen zu messen, zu überprüfen und abzuwägen. So ist es auch bei dieser Naturwissenschaft, und ähnliche Methoden findet man bei sorgfältigem Studieren in allen religiösen Schriften, auch wenn sie mit anderen Worten und in verschiedenen Sprachen beschrieben werden.

Wir möchten in das Königreich Gottes eintreten – aber wie? "Mit der Hilfe und Führung von jemandem, der das Königreich Gottes selbst betreten hat und uns dorthin führen kann", ist die einfache Antwort der Meister. "Ist das möglich?" Wiederum antworten sie: "Es ist ein Wissen, das so exakt und sicher ist, wie zwei und zwei vier ergeben." Es genügt nicht, sich mit den Heiligen Büchern und dem Singen von Lobliedern und Hymnen zufrieden geben. Wir müssen uns darum bemühen, dieselbe Entwicklungsstufe zu erreichen wie die, deren Gespräche und Erkenntnisse in diesen Büchern aufgezeichnet wurden. Ihre Erfahrung muss unsere Erfahrung werden, denn "was ein Mensch getan hat, kann auch ein anderer tun", selbstverständlich mit der richtigen Führung und Hilfe. Wir sollten uns mit nichts Geringerem zufriedengeben.

"Wir besitzen kaum einen schwachen Funken Liebe zu Gott, wird das ausreichen, um sich Hoffnungen zu machen?", lautet eine andere Frage, auf die die Heiligen antworten: "Es genügt, um euch für die Höchste Wissenschaft zu qualifizieren, die die Annäherung an Gott zum Ziel hat." Das ist ein erfreulicher Hoffnungsschimmer. Könnte doch dieser kleine Funke zu einer Flamme entfacht werden! Wieder sagen wir: "Jesus und andere große Meister sprachen so liebevoll von Ihm, wir aber sind Sünder und in diesem Zeitalter mag es für uns nicht viel Hoffnung geben." Die tröstliche Antwort des Meisters ist: "Es hat nichts zu sagen, ob du der schlimmste Sünder bist. Halte ein, wo du jetzt stehst! Es gibt Hoffnung für jeden, selbst in diesem kritischen Zeitalter." Seit undenklichen Zeiten versorgt uns die Natur, sowohl materiell als auch spirituell. Heute wirkt dasselbe unwandelbare Gesetz und das wird auch in Zukunft so sein. Es gibt Nahrung für den Hungrigen und Wasser für den Durstigen. Das unveränderliche und ewige Naturgesetz von Bedarf und Versorgung wirkt immer.

Nur durch einen lebenden Meister1 können wir mit dem Allmächtigen Gott in uns in Verbindung kommen. In Sant Mat wird einem nicht geraten, über Gegenstände oder Bilder zu meditieren, da das den Fortschritt behindert. Wir haben die Fotos der Meister, um uns an sie zu erinnern und sie wiederzuerkennen, aber auf keinen Fall sollten wir uns an solche äußere Praktiken hängen.

Die Lehren der Meister (Entwicklung zum Menschen)

Nach der Wissenschaft des Para Vidya ist man nicht berechtigt, sich Mensch zu nennen im wahren Sinne des Wortes, solange man nicht das vollständige Wissen erlangt hat. Dieses umfasst das theoretische und praktische Wissen über die herausragende Stellung des Menschen in der Schöpfung, über seine verschiedenen Bestandteile – Körper, Gemüt und Seele in der Reihenfolge ihrer Bedeutung – sowie über die Beziehung des Menschen zur Unsichtbaren Kraft, Gott genannt, die man erlangen muss, solange man in dieser Welt lebt. Wer nicht zumindest so viel versteht, ist nicht einmal mit der ersten Lektion vertraut und muss erst noch mit dem Alphabet des Menschseins beginnen. Die Heiligen schärfen uns deshalb ein, wie wichtig die Entwicklung zum (wahren) Menschen ist.

Satsang
Wenn wissenschaftlich betrachtete Fakten, die aus der Praxis gewonnen wurden, von einem Meisterheiligen den Versammelten vorgetragen und erklärt werden, nennt man das (äußeren) Satsang. Dieser Satsang bildet den theoretischen Teil der Lehre. Der praktische Teil besteht darin, dass man eine tatsächliche Erfahrung erhält, mit der man sich weiterentwickeln und im Inneren voranschreiten kann. Dies wird Meditation oder (innerer) Satsang genannt. Gewissenhaftes Praktizieren trägt Früchte innerhalb von Tagen oder Wochen. Es ist nicht notwendig, jahrelang auf Ergebnisse zu warten, obwohl der Fortschritt zu einem gewissen Grad vom eigenen Hintergrund abhängig ist. Ein wahrer Meister gibt gleich bei der ersten Meditationssitzung eine direkte innere Erfahrung. Wird aber die praktische Seite vernachlässigt, weil es an Standfestigkeit oder Entschiedenheit fehlt, aus Achtlosigkeit oder aufgrund äußerer Umstände, sprechen die Gelehrten der vielen verschiedenen religiösen Schulen mehr und mehr nur noch aus der Theorie. Damit beginnt der Niedergang der Wissenschaft und der Mensch findet keinen Trost. Gewöhnlich ist das der Fall, wenn ein Meister seinen Körper verlässt. Es wird jedoch immer dafür gesorgt, dass diese Wissenschaft in jedem Zeitalter wiederbelebt wird, wenn beide Kräfte ihre Runden wieder neu beginnen: die positive Kraft durch das Wirken der Meisterseelen, die negative Kraft durch Personen – sogenannte Meister – denen die praktische Erfahrung fehlt oder die sich in theoretischem Disput verlieren. Die Meisterseelen sehen zwar wie gewöhnliche Menschen aus, aber sie sind sehr viel mehr. Genauso wie es für uns schwierig ist, einen Wissenschaftler, einen Arzt oder einen Ingenieur zu beurteilen, solange sie sich nicht äußern oder ihre Fertigkeiten und ihr Können zeigen, so können wir auch das Wissen und die Kompetenz eines Meisters nicht erkennen, solange wir nicht die göttliche Kraft erfahren haben, die durch Ihn wirkt.

An dieser Wissenschaft ist nichts Geheimes oder Mysteriöses. Sie hat einen konstruktiven Ansatz und kommt allen zu Gute. Und so zogen die Heiligen den Vorhang des Geheimen beiseite, der normalerweise die mystischen Lehren verhüllt, um sie jedem zugänglich zu machen, der danach verlangt. Die Unsichtbare Kraft wirkt durch die Heiligen. Warum sie es vorzieht, dem menschlichen Auge verborgen zu bleiben, ist eine Frage, die man direkt stellen sollte, indem man mit dem menschlichen Pol in Verbindung kommt, durch den diese Kraft wirkt. Das ist das einzige Mittel, sich dieser Kraft zu nähern. Wenn wir elektrische Energie nutzen wollen, müssen wir den Schalter betätigen (mit dem menschlichen Pol in Kontakt kommen), der die Verbindung mit dem Kraftwerk herstellt. Die Unsichtbare Kraft kann man einen Ozean der Liebe nennen. Wenn wir im Meer baden wollen, gehen wir ins seichte Wasser am Strand und sagen dann, wir hätten im Meer gebadet. Wenn wir diese Kraft erfahren und von ihr etwas erhalten wollen, müssen wir also zur einzigen Quelle gehen, die uns diese Verbindung geben kann – zu einem Meisterheiligen.

Leben jenseits des Todes

Die Heiligen sagen, dass die Natur den Menschen so konzipiert hat, dass er seinen physischen Körper willentlich verlassen, sich in die höheren spirituellen Ebenen erheben und dann wieder in den Körper zurückkehren kann. Sie helfen jedem Anwärter persönlich, und jeder erhält bei der allerersten Meditationssitzung zur Zeit der Initiation eine praktische Erfahrung, wie gering sie auch sein mag. Wer kompetent ist, einem Menschen diese persönliche Erfahrung des (zeitweiligen) Zurückziehens oder Loslösens vom Körper zu geben, und ihn so auf den Weg zu Gott stellen kann, ist ein wahrer Meister, Heiliger oder Satguru. Die Oberhäupter der verschiedenen religiösen Gruppierungen sollten eigentlich diese Aufgabe erfüllen – wir mögen selbst beurteilen, wie weit ihnen das heute noch gelingt.

Diese direkte Erfahrung aus erster Hand, die wir durch die Güte eines wahren Heiligen erhalten, ist in sich selbst die Lösung des Todesproblems. In der Bibel heißt es: "Es sei denn, ihr werdet von neuem geboren, so könnt ihr das Königreich Gottes nicht betreten." Von neuem geboren zu werden bedeutet, seinen Körper zu verlassen und ins Jenseits einzutreten – ein Übergang von der physischen in die astrale Ebene. Eines Tages müssen wir dieses Gebäude (des Körpers) verlassen, das nur zeitlich begrenzt besteht und wie ein Bauwerk aus Ziegel und Mörtel mit der Zeit verfällt. Gegen dieses "Todesurteil", das den Naturgesetzen entspricht, kann man keinen Einspruch erheben. Wir haben Angst vor dem Tod, weil er Todeskampf und Leid mit sich bringt, und auch weil wir nicht wissen, was uns im Jenseits erwartet. Wir fürchten Krankheiten, weil sie uns der Schwelle zum Tod näher bringen, und so kämpfen wir ums Überleben, obwohl wir wissen, dass uns das Ende gewiss ist. Keine beruhigenden Worte von Ärzten, Freunden, Verwandten oder Priestern können unserem Herzen Frieden und Trost bringen, wenn dieser natürliche Verfallsprozess beginnt. Das ist der natürliche Lauf der Dinge und wir können die Natur nicht austricksen.

Was ist das Heilmittel dafür? Es gibt nur einen Ausweg aus diesem Abgrund der Verzweiflung: uns während unseres Lebens mit dem natürlichen Prozess des Zurückziehens des Geistesstroms vom Körper vertraut zu machen und uns daran zu gewöhnen, solange wir noch in einem bewussten Zustand sind. Dies kann man mit Hilfe eines Meisters erlernen, und zwar ohne zu leiden und ohne irgendwelche Schwierigkeiten. Das ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine bemerkenswerte Tatsache. Unsere Freude wird grenzenlos sein, wenn wir hinter das Geheimnis kommen, das den Menschen so viele Jahrhunderte vor ein Rätsel stellte. Wir werden zum "Supermenschen" und besitzen den Schlüssel zum Frieden, zum Himmel und zu einem Leben, von dem wir bisher nur in den Heiligen Schriften gelesen haben. "Deshalb erhebt euch und erwacht!", bevor es zu spät ist, diese Wissenschaft in die Praxis umzusetzen. Wenn wir bei einem Sterbenden den Sterbevorgang genau beobachten, sehen wir, dass sich die Pupillen seiner Augen etwas nach oben drehen (danach kann es sein, dass sie wieder in ihre normale Lage zurückkehren), und dann wird er bewusstlos. Wenn sie sich noch weiter nach oben drehen, stirbt er. Das Leben verebbt an der Augenwurzel und seine Verbindung zum physischen Körper und den Sinnesorganen wird durchtrennt. Kennt man diesen Vorgang und die Methode, wie man diesen Weg während des Lebens gehen kann, ist das die Lösung des Todesproblems. Dazu braucht man keine körperlichen Übungen, man muss keine Drogen nehmen und nichts blind glauben. Das Geheimnis von Leben und Tod wird mit der Hilfe eines Meisterheiligen ganz einfach gelöst, indem er euch eine Erfahrung von diesem Vorgang gibt und euch auf die Schnellstraße zu den inneren Bereichen stellt. Selbst wenn Er indirekt durch einen Bevollmächtigten wirkt, bleibt Er die verantwortliche Kraft. Für die Meister spielt Entfernung keine Rolle.

Was kann man durch diesen Vorgang erlangen? Es lässt sich nicht mit Worten beschreiben. Bei der Initiation sieht der Anwärter das wahre Licht in sich, während das innere Auge normalerweise von einem dichten Vorhang der Dunkelheit bedeckt ist. Dann erkennt er, dass die Tradition, in Kirchen und Tempeln eine Kerze zu entzünden, dazu dient, ihn an das göttliche Licht des Himmels im Inneren zu erinnern. Und je weiter er auf dem Weg fortschreitet, desto heller leuchtet dieses Licht und wird schließlich so strahlend wie das Licht mehrerer Sonnen. Er versteht dann, dass der unaufhörliche innere Ton, mit dem er im Inneren verbunden ist, das göttliche Bindeglied ist, das Christus "das Wort" nennt. Im Koran heißt es "Kalma" und "Nida-i-Asmani", "Nad" in den Veden, "Udgit" in den Upanishaden, "Sarosha" bei den Anhängern von Zoroaster und "Naam" und "Shabd" bei den Heiligen oder Meistern. Zu gegebener Zeit begegnet er dem Meister im Inneren, spricht mit Ihm von Angesicht zu Angesicht und ist sich von nun an Seiner Gnade, Seiner Führung und Seines Schutzes vollkommen sicher, wohin er auch gehen mag – und sei es bis ans andere Ende der Welt. Mit einem solch klaren Beweis vor Augen hat er nun Vertrauen in sich selbst und ist von dieser Wissenschaft überzeugt. Erst dann kann man ihn als einen Theisten im wahren Sinne des Wortes bezeichnen. Er kann über die nur lächeln, die Religion als ein Paradies der Narren bezeichnen, als ein Hirngespinst, heraufbeschworen von cleveren Priestern, und als Opium fürs Volk. Er fand in diesem Leben einen sicheren Zugang durch das Tor zum Himmel und steht kurz davor, Einblick in die inneren und äußeren Geheimnisse der Natur zu erhalten. Er "klopft" wirklich "an die Himmelstür" oder "tritt im Inneren ein". Auch wenn andere widersprechen, kann das seinen Glauben in diese Wissenschaft nicht erschüttern, da der Meister ihn weiter voran führt. Der Tod wird zu einem Vorgang, den der Schüler willentlich durchläuft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden eins und er hält die unumstößliche Wahrheit, das Wesen allen Seins, in Händen. Befreit vom Körper, der jetzt wie eine Schale ohne Kern erscheint, weiß er, dass er die Seele ist, ein untrennbarer Teil des ewigen Geistes, und er drängt voran zu seiner ursprünglichen Quelle. Die Welt erscheint ihm wie ein Traum, aber entsprechend den Anweisungen seines Meisters kehrt er zu seinem alltäglichen Leben zurück, weise und furchtlos in Erfüllung seiner Pflichten.

Anforderungen an den Anwärter
So wie in jeder anderen Wissenschaft ist es notwendig, gewisse grundlegende Anforderungen zu erfüllen, bevor man nennenswerte Fortschritte machen kann. Das Eheleben, schwere Arbeit oder arme Verhältnisse sind kein Hindernis. Es bringt einem aber auch keinen Vorteil, wenn man eine hohe Stellung oder großen Reichtum besitzt, noch dient die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion als Empfehlung. Wo der Mensch auch hingestellt sein mag, er muss nach einem edlen Charakter streben, nach Selbstkontrolle und Reinheit des Herzens. Reinheit des Herzens in Gedanken, Worten und Taten ist unbedingt notwendig. "Gesegnet sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen." Ein ethisches Leben ist das Sprungbrett zur Spiritualität, aber Spiritualität besteht nicht nur aus einem ethischen Leben. Das sollten wir immer vor Augen haben.

Das (ethische) Leben des Menschen lässt sich aufteilen in:
1. die Ernährungsweise
2. den Umgang mit anderen Menschen.

Was den ersten Punkt angeht, so sind eine vegetarische Ernährung und der Verzicht auf Alkohol und Drogen eine Grundvoraussetzung. "Du sollst nicht töten" sowie "Leben und leben lassen" sollten unsere Richtlinien im Leben sein. Der Körper ist der Tempel Gottes und ein heiliger Ort. Wir dürfen ihn weder vernachlässigen noch missbrauchen, sondern sollten uns so gut wie möglich um ihn kümmern und ihn frisch und gesund erhalten. Alle Rauschmittel müssen gemieden werden, da sie uns krank machen und unser Bewusstsein schwächen.

Was unser Verhalten anderen gegenüber betrifft, so sollten wir Freundlichkeit säen, um ihre Früchte zu ernten. Liebe und Bescheidenheit sind absolut notwendig. "Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest." "Liebt, und alles andere wird euch hinzugegeben." "Liebe deine Feinde und segne jene, die dir fluchen." Gott wohnt in jeder Form, und wer Gott liebt, wird auch Gottes Schöpfung lieben. Gott zu lieben bedeutet, die ganze Menschheit zu lieben. Auch sollten wir unseren Lebensunterhalt im Schweiße unseres Angesichts verdienen und mit anderen teilen. Das sind keine leeren Worte, sondern weise und vernünftige Ratschläge.

Karma (Taten und Handlungen)

In der Natur muss jeder Gedanke, jedes Wort und jede Tat abgerechnet und ausgeglichen werden. Jede Ursache hat eine Wirkung und jede Handlung führt zu einer Rückwirkung. Beseitigt man die Ursache, verschwindet die Rückwirkung. Das haben die Meister getan, die sich über diese Gesetze erhoben haben. Alle anderen aber sind durch die Fesseln des Karmas gebunden, das die Grundursache unserer Existenz im Körper ist und eine schlaue Einrichtung der Natur, wie sie diese physische Existenz ständig weiter aufrechterhält. Das Gesetz des Karmas sorgt dafür, dass alles zurückbezahlt wird, Auge um Auge und Zahn um Zahn, in Form von Freude oder Leid. Es ist die antreibende Peitsche in der verborgenen Hand der Natur. Das Gemüt zieht Karma an, legt eine Hülle um die Seele und beherrscht den Körper durch die Sinne und Sinnesorgane. Obwohl es die Seele ist, die dem Gemüt Kraft verleiht, hat dennoch das Gemüt die Herrschaft ergriffen und regiert stattdessen die Seele. Kontrolle über das Gemüt ist daher der erste Schritt in Richtung Spiritualität. Das Gemüt zu besiegen heißt, die Welt zu besiegen. Sogar versierte Yogis und Mystiker, die sich in relativ hohe spirituelle Bereiche erheben können, bleiben von der Hand des Karmas nicht verschont.

Die Meister teilen das Karma wie folgt in drei verschiedene Gruppen:
1. Sanchit (Vorratskarmas)
(Sie sind entstanden) aus guten und schlechten Taten, die wir in allen früheren Körpern der Schöpfungsordnung erworben und angesammelt haben und die uns angerechnet werden, gezählt ab dem Tag, an dem das Leben zum ersten Mal auf Erden in Erscheinung trat. Aber leider weiß der Mensch nichts über sie und ihre Tragweite.
2. Prarabdha (Schicksalskarmas)
(Sie sind) das Ergebnis und die Rückwirkung, die den Menschen in diesen jetzigen Körper gebracht haben und die er in diesem Leben zurückzahlen muss. Die Auswirkung dieser Karmas trifft uns unvorhergesehen und scheinbar unverhofft. Wir haben keinerlei Kontrolle über sie. Ob gut oder schlecht, wir müssen diese Karmas erdulden und abtragen, ob lachend oder weinend, das bleibt uns überlassen.
3. Kriyaman (die laufende Rechnung für unsere Taten und Handlungen im jetzigen Körper)
Diese Karmas unterscheiden sich von den beiden oben genannten Gruppen. Hier ist der Mensch in einem gewissen Rahmen frei, genau das zu tun, was er will. Dennoch tragen solche Taten Frucht, ob es uns bewusst ist oder nicht. Die Folgen einiger dieser Taten ernten wir, bevor wir sterben, der Rest wird in das Sanchit Vorratslager übertragen.

Karma ist der Grund für die Wiedergeburt und jeder Geburt folgt wiederum der Tod. So geht der Kreislauf von Freud und Leid, begleitet von Geburt und Tod, immer weiter. "Wie du denkst, so wirst du" ist ein unumstößliches Gesetz der Natur, durch dessen Wirken dieses Universum existiert. Keine noch so große Rechtschaffenheit oder Genialität kann den Menschen befreien, solange noch die geringste Spur von Karma vorhanden ist. Dass man das Gesetz nicht kennt, ist keine Entschuldigung. Bei Gesetzen, die der Mensch aufgestellt hat, mag es unter bestimmten Gegebenheiten Zugeständnisse oder mildernde Umstände geben, bei den Naturgesetzen aber gibt es keinerlei Zugeständnis. Beten, beichten und Buße tun mag eine zeitweilige emotionale Entlastung bringen, aber all das kann das Karma nicht überwinden. Das gesamte Karma muss vollkommen getilgt sein, bevor man ewige Erlösung erlangen kann.

Durch diese Tatsachen beunruhigt, sucht der Mensch Trost bei strenggläubigen Glaubenslehren. Oder wenn ihm bewusst wird, dass gute wie schlechte Taten gleichermaßen Fesseln sind – die einen aus Gold, die anderen aus Eisen – wendet er sich dem Weg der Entsagung zu. Verschiedene Glaubensrichtungen versprechen Abhilfe, aber bald findet der Mensch heraus, dass ihre Methoden nur vorübergehend wirken.

Wie aber geht ein Meister an dieses Problem heran? Mit dem Zeitpunkt der Initiation beginnt der Meister mit dem Prozess, alle Karmas des Initiierten abzuwickeln. Er gibt ihm eine Verbindung mit dem Tonstrom. Praktiziert man das Hören auf den Tonstrom, wird das Vorratskarma verbrannt. Dieser Vorgang ist vergleichbar damit, dass man eine Hand voll Samenkörner in eine Pfanne gibt und sie aufs Feuer stellt. Dann platzen die Samen und verlieren ihre Keimfähigkeit. Nun kommt die Rechnung des Kryaman Karmas an die Reihe. Erst warnt der Meister den Schüler davor, neue Rechnungen durch schlechte Taten zu eröffnen, dann mildert Er die (Rückwirkung der) früheren schlechten Taten insgesamt ab. Einen Teil davon hat der Schüler bereits in diesem Leben bis zum Zeitpunkt der Initiation beglichen. Er wird eindringlich ermahnt, ein reines Leben zu führen und durch die tägliche Selbstprüfung alle Fehler in sich auszujäten. Das Prarabdha Karma lassen die Meister unberührt, denn es ist die Ursache dafür, dass man den physischen Körper hat. Greift man in diese Naturgesetze ein, kann der Körper nicht mehr bestehen. So bleibt nur noch ein kleiner Teil Karma übrig, den der Schüler während seiner weiteren Lebenszeit im physischen Körper abtragen muss. Aber selbst dieser wird durch die Gnade des Meisters abgemildert. Das Gesetz der Gnade wirkt auf wundersame Weise, und ein Ergebener, der all seine Hoffnungen in den Meister setzt, geht unbeschadet durch die schmerzhaften Auswirkungen früherer Karmas hindurch. In Augenblicken des Leids, der Sorgen und Probleme ist der Meister unsere Zuflucht. Er wirkt unbemerkt und über jede Entfernung hinweg. Wie eine Mutter ihr krankes Kind während einer Operation sicher auf ihrem Schoß hält, damit es keine Schmerzen fühlt, so hält uns auch der Meister in Seiner liebevollen Umarmung. Entsprechend dem Gesetz des Mitleids nehmen die Heiligen in ihrem überfließenden Mitgefühl, ihrer Liebe und Güte manchmal karmisch bedingtes Leiden ihrer Schüler auf ihre eigenen Schultern. Einen ergebenen Schüler erwartet nach dem Tod kein Gerichtshof, für ihn ist der Meister alles in allem.

Warum nimmt ein Meisterheiliger all das auf sich? Weil Er seine barmherzige Natur von Gott geerbt hat, der über uns wirkt und Ihn damit beauftragt hat, persönlich diesen Schatz der Barmherzigkeit auszuteilen. Deshalb wird der Meister wie Gott geehrt. In Sant Mat gibt es Bände von Büchern, die zum Lob der Meister geschrieben wurden. Aber selbst wenn man noch so viele Bücher schreiben würde, könnte man damit kaum der Unermesslichkeit ihrer Liebe und Güte gerecht werden.

Die Zeit wirft ihren schweren Schatten auf den Menschen. Er muss hart daran arbeiten, mit dem Wandel der Zeit Schritt zu halten. Er ist so sehr von seinen äußerlichen Bedürfnissen und Wünschen in Anspruch genommen, dass er Zufriedenheit, Mitgefühl und Liebe völlig vergisst. Von den "tödlichen Fünf" – Lust, Ärger, Gier, Verhaftung und Eitelkeit – umgeben und in sie verstrickt strauchelt er und ruft die unsichtbare Gotteskraft um Hilfe an. Das rührt die Barmherzigkeit des Himmels, und wenn die Zeiten schwierig werden, gewährt der Allmächtige Seine Hilfe durch die Meister immer großzügiger, so wie es jetzt in diesem Kali Yuga – dem Eisernen Zeitalter – der Fall ist.

Es ist allerdings schwer zu glauben, dass irgendjemand über den fünf oben erwähnten Leidenschaften steht und fähig ist, das Königreich des Himmels während des Lebens zu betreten. Die ganze Menschheit steht unter der Kontrolle dieser fünf und nur ein Meister kann einen Menschen aus ihren Fängen retten. Wir alle verlangen einen zuverlässigen Beweis, bevor wir uns binden, und diesen Beweis gibt uns der Meister in Form einer Erfahrung des Lebensimpulses, auch Naam (das Wort) genannt, und indem wir etwas im Inneren sehen. Die Verbindung mit einem Meister ist unbedingt notwendig. Wenn wir uns (von Ihm) fernhalten und uns auf uns selbst verlassen oder auf die Traditionen und Priester bauen, die genauso unwissend sind wie wir selbst, verlieren wir die Verbindung mit dieser Kraft. Und dann gilt das Sprichwort: "Wenn der Blinde den Blinden führt, fallen beide in die Grube."

Es wird nicht zu unserem Vorteil sein, uns (dem Meister und Seiner Lehre gegenüber) gleichgültig, ablehnend oder ungläubig zu zeigen, wenn die Natur ihre allgemein gültige Verordnung durchsetzt – den Tod. Wir werden in derselben Lage sein wie eine Taube, die ihre Augen verschließt, wenn sie sieht, dass die Katze näher kommt, und glaubt, sie könne ihr dann nichts tun. Aber in wenigen Sekunden ist der arme Vogel zwischen den starken Zähnen der Katze gefangen. Dann ist es zu spät, an ein Entkommen zu denken. Seid also wachsam, solange noch Zeit ist!

Spiritualität
Hier ist es wohl nicht unangebracht zu erklären, was der Begriff Spiritualität bedeutet, der oft mit blindem Glauben an Heilige Bücher, dem Zur-Schau-Stellen von Wundern, übernatürlichen Phänomenen oder Yogakräften verwechselt wird. Spiritualität ist eine innere Erfahrung. Ihr Alphabet beginnt, wo alle Philosophien und Yogapraktiken enden. Es ist die Erfahrung der Seele. Sagt man: "Ich bin der Körper", ist das ein Gefühl, das auf intellektuellem Denken beruht, und das nennt man Unwissenheit. Sagt man: "Ich bin nicht der Körper, sondern eine erwachte Seele", ist das angelerntes Wissen oder nur Theorie. Erhält man aber durch die Selbstanalyse eine tatsächliche Erfahrung von der Seele und kommt mit der Überseele in Verbindung, nennt man das Spiritualität. Die erste praktische Lektion beginnt, wenn man sich durch die Gnade eines praktisch verwirklichten Meisters völlig vom physischen Körper zurückzieht. Niemand kann sich selbst ohne Hilfe vom physischen Körper zurückziehen und sich vom Körper trennen. Wenn jemand etwas anderes behauptet und denkt, dass er es doch kann, macht er sich selbst etwas vor. Ohne die Hilfe eines Meisters, der allein kompetent ist, diese Erfahrung zu geben, wird jeder derartige Versuch fehlschlagen.

Die Meister kommen, um diesen Schatz spiritueller Segnungen an die zu verteilen, die nach der Wahrheit suchen. Spiritualität kann man nicht kaufen oder lehren, aber man kann sie auffangen, wenn man mit spirituellen Menschen in Berührung kommt. Und außerdem: Die Gaben der Natur, wie Luft, Wasser, Licht usw., sind kostenlos. Spiritualität ist ebenso ein Geschenk der Natur, und auch sie wird von den Meistern kostenlos gegeben. Genauso wenig kann man Spiritualität aus Büchern lernen, eine Tatsache, die alle Heiligen Schriften betonen. Bücher sind lediglich wertvolle Aufzeichnungen der inneren Erfahrungen, die andere in der Spiritualität gemacht haben. Sie füllen Lücken in der Geschichte und enthalten die Botschaften der früheren Meister. Sie helfen uns, die Tatsachen zu prüfen, die ein lebender Meister uns aufzeigt, und festigen so unseren Glauben in die Wissenschaft. Die verschiedenen Übersetzungen, Auslegungen und Erläuterungen aber führen den Menschen in die Irre. Da eine anders ist als die andere, bringen sie den Verstand durcheinander und verwirren ihn, anstatt es ihm einfacher zu machen. Der Egoismus des Menschen hat außerdem Hunderte von religiösen Zirkeln geschaffen, die Abschottung und enge Orthodoxie anstreben anstelle von Liebe, und Abgrenzung statt Integration. Die Menschen sind zerrissen von gegensätzlichen Emotionen, so entsteht Hass zwischen ihnen und sie denken an Krieg.

Um die Wissenschaft der Meister zu verstehen, besuchen wir den Satsang, wo die meisten unserer Zweifel geklärt werden. Direkte Antworten vom Meister helfen, jeden noch verbleibenden Zweifel zu beseitigen. Alle Fragen werden gleichermaßen ruhig und sachlich betrachtet und ohne lange Diskussion. Alle erhalten die gleiche Aufmerksamkeit, ob arm oder reich, hoch oder niedrig, so wie sich ein Arzt um die Kranken kümmern sollte. So klar, wie man in einem Einmachglas den Inhalt sehen kann, sieht ein wahrer Meister ganz genau, was in einem Menschen richtig und was falsch ist, doch er spricht nicht darüber. Alle, die vor Ihm sitzen, selbst wenn sie Seine Sprache nicht verstehen, erhalten etwas, wie in einer Parfümerie, in der man die wohlriechenden Düfte genießt. Der Meister verteilt den Schauer Seines Segens durch Seine Blicke, die von denen aufgefangen werden, die sich danach sehnen. Seine Augen versprühen auf wunderbare Weise Seine Liebe.

Kriterien für einen wahren Meister

Beurteilt einen Meister nicht nach seiner äußeren Erscheinung oder seiner Abstammung und auch nicht danach, ob Er reich oder ärmlich gekleidet ist, aus welchem Land Er stammt, wie Er spricht oder isst, welche (gesellschaftliche) Stellung Er einnimmt, wie viele Bücher Er geschrieben hat, oder danach, was die Leute über Ihn sagen. Erhaltet erst die innere Erfahrung, die Er verspricht, und dann urteilt von diesem höheren Blickwinkel aus. Die eigene (innere) Erfahrung ist das Kriterium, um einen wahren Meister zu erkennen. Nur ein Mensch, der hier (auf der Welt) lebt, aber die Dinge von der spirituellen Ebene aus sieht – den Menschen, seine Konflikte, seine Schwierigkeiten und seine Hilflosigkeit – und die Probleme studiert hat, mit der die Menschheit konfrontiert ist, kann deren Lösung geben. Er ist fähig, den Menschen zu korrigieren und zu führen, sichtbar und unsichtbar, moralisch und spirituell, in Theorie und Praxis. Nur eine solche Persönlichkeit ist geeignet, die verantwortungsvolle Stellung eines Meisters einzunehmen. Gesegnet ist, wer ein überwältigendes Glücksgefühl und Sehnsucht im Herzen spürt, wenn er hört, dass es einen solchen Meister tatsächlich gibt und er nahe ist.

Die Spiritualität ist eine Wissenschaft, einfacher und leichter als andere Wissenschaften. Der Mensch braucht sich nicht zu verausgaben, er muss sich jedoch bemühen, sich ethisch und moralisch umzuformen, um den Gipfel der Liebe, Ernsthaftigkeit und Demut zu erreichen und so die nötige Empfänglichkeit in sich zu entwickeln. Alles Weitere liegt in der Hand des Meisters. Nochmals: Eine Bewegung, wie spirituell sie oberflächlich gesehen auch erscheinen mag, sollte nicht nach der Anzahl ihrer Anhänger beurteilt werden. Ein guter Redner kann überall die Massen anziehen, auch wenn seine Rede nichts Substanzielles oder Überzeugendes enthält. Spiritualität ist nicht das ausschließliche Vorrecht einer Familie oder eines Ortes. Sie ist vielmehr wie eine duftende Blume, die wächst, wo die Natur es bestimmt hat, und dort sammeln sich die Bienen von nah und fern, um ihren Nektar zu trinken.

Die Meister laufen nicht dem eigenen Ruhm hinterher, obwohl sie es sicher verdienen, gerühmt zu werden. Sogar in ganz alltäglichen Gesprächen kann man sie sagen hören: "Es ist alles die Gnade meines Meisters, ich habe nichts getan. Meinem Meister gebührt alles Lob, es ist Sein Verdienst." Diese Demut hebt sie weit über die niedrige Stufe des Egoismus, wie er überall in dieser Welt zu finden ist.

In allen Zeitaltern kamen Meister in die Welt, um dem Menschen diese Naturwissenschaft nahezubringen. Doch nur die Menschen, die mit dieser Welt unzufrieden sind, kommen zu ihnen geeilt. Andere, die weltliche Attraktionen, Vergnügungen und Luxus lieben, wenden sich ab. Bei anderen wiederum sind selbst alle edlen Gefühle im Herzen abgestorben. Sie legen den Heiligen nicht nur alle möglichen Hindernisse in den Weg, sondern liefern sie auch den verschiedensten Arten von Folter aus, wie man es am Leben von Jesus, Guru Nanak, Kabir und anderen sehen kann. Meister sind in der Vergangenheit gekommen, es gibt sie heute und sie werden auch in Zukunft weiterhin zum spirituellen Wohl des Menschen kommen. Wenn man nach dem Weggang eines Meisters, auf den eine bestimmte Religion zurückgeht, glaubt und denkt, dass die Spiritualität nun das alleinige Privileg dieser Religion sei und dass Heilige Bücher der einzige Führer seien, zeigt das die Gedankenlosigkeit des Menschen.

Wie können wir zwischen einem wahren und einem falschen Meister unterscheiden? Es gibt in der Tat keinen Prüfstein, keine magische Formel außer der eigenen (inneren) Erfahrung, um richtig von falsch, Wahrheit von Unwahrheit und Wirklichkeit von Täuschung zu unterscheiden. Selbst zur Zeit von König Janak (dem Vater von Sita im Ramayana), der sogar bereit war, eine hohe Belohnung für das theoretische Wissen zu bezahlen, gab es unter all den Rishis, Yogis und Munis Indiens nur einen, Yagyavalkya, der diese Wissenschaft theoretisch erklären konnte und so den Preis gewann. Yagyavalkya hatte aber auch die moralische Größe zuzugeben: "Gargi, ich kenne die Theorie, habe aber keine persönliche Erfahrung davon."

Bei einem zweiten Anlass ließ König Janak verkünden, dass er eine praktische Erfahrung dieser Wissenschaft haben wolle, und zwar an einem bestimmten Tag, und das auch noch in kürzester Zeit. Es dürfe nicht länger dauern, als man braucht, um ein Pferd zu besteigen und beide Füße in die Steigbügel zu setzen. Große Yogis und Rishis aus allen Teilen Indiens wurden eingeladen, aber zur festgesetzten Zeit trat nur ein einziger vor, um die Herausforderung anzunehmen. Es war ein Buckliger namens Ashtavakra, sein Körper hatte acht Buckel. Die Versammelten hielten ihn für einen Verrückten und lachten laut über sein Aussehen. Ashtavakra sagte: "Wie könnt ihr erwarten, eine spirituelle Erfahrung zu erhalten, wenn ihr hier lauter Schuster versammelt habt, die nur Augen für die Haut des Körpers haben und im Inneren nicht sehen können?" Der Herrscher erhielt die Erfahrung exakt innerhalb der vorgegebenen Zeit. Bedenkenswert dabei ist, dass zu einer Zeit, als die Spiritualität in voller Blüte stand, nur ein einziger vortrat, um die Herausforderung anzunehmen. In der heutigen Zeit, in der der Materialismus ständig zunimmt, ist es nicht so, dass kompetente Meister wie Pilze aus der Erde schießen. Deshalb müssen wir also suchen und dürfen nicht zulassen, dass uns falsche Propaganda, die Aussagen anderer, blinder Glaube, das Versprechen zukünftiger Glückseligkeit oder ein Wunsch nach hoher Stellung, Reichtum und Vergnügen missleiten. Solche (spirituell entwickelten) Persönlichkeiten sind kompetent, Millionen von Menschen, die zu ihnen kommen, Leben zu geben. Sie sind die Kinder des Lichts und geben der ganzen Menschheit Licht.

Blinder Glaube ist eines der Haupthindernisse, das zu überwinden ist. Wenn wir einfach nur zuhören, etwas lesen oder bei einer Sache mitmachen, ohne nachzuforschen, wozu sie dient und wohin sie führt, ist das blinder Glaube. Es ist auch blinder Glaube, wenn man unachtsam ist und das Ziel aus den Augen verliert, während man bestimmte Methoden anwendet, und nicht mehr überprüft, ob man dem Ziel näher kommt oder nicht. Geht man zu einem Meister und hört Ihm aufmerksam zu, wie Er das Thema "Selbsterkenntnis durch Selbstanalyse" erläutert und Seine Erklärungen mit dem einen oder anderen sorgfältig ausgewählten Zitat aus den kostbaren Aussagen der verschiedenen Heiligen unterstreicht, ist man intellektuell überzeugt. Dann ist man auch bereit, den Weg versuchsweise aufzunehmen, dem Meister erst einmal zu vertrauen und das zu tun, was Er sagt. Das ist der erste Schritt, um etwas über die Wahrheit zu lernen. Erhält man eine Erfahrung aus erster Hand – in welchem Umfang auch immer –, ist man wirklich überzeugt und macht täglich Fortschritte.

Heutzutage hört sich der Mensch Reden, Vorträge und Predigten an, akzeptiert und glaubt all das sein ganzes Leben lang und hält es für absolut sicher, dass er damit auf den Weg zur Erlösung gestellt wurde. Wenn aber der Tod kommt mit all seinem Leiden, den Schmerzen der Trennung und der Angst vor dem Unbekannten, erkennt er seinen Fehler. Sein ganzes Leben lang war er es gewöhnt, sich mit dem (Leben im) Körper (und den Dingen dieser Welt) zu beschäftigen, und diese Bindungen nehmen (selbst in diesem Moment) all sein Denken gefangen. Freunde, Ärzte, Verwandte und Priester stehen hilflos und verzweifelt daneben.

Hier ist uns die Wissenschaft des Para Vidya eine große Hilfe. Das Zurückziehen der Seele vom Körper wird immens erleichtert und der Meister erscheint, um sie zu empfangen und weiter ins Jenseits zu geleiten. Für einen solchen Menschen ist der Tod das allerglücklichste Ereignis, wie bei einer Hochzeit bedeutet er das Einswerden mit dem Geliebten. Schon vorher ist er in die höheren Ebenen gegangen und hat sich von ihrer Erhabenheit überzeugt und durchquert nun die vertrauten Bereiche ohne Furcht. Wenn mein Meister Baba Sawan Singh Ji Seinen Schülern einprägen wollte, wie wichtig es ist, die spirituellen Übungen auszuführen, sagte Er immer zu ihnen: "Geht und schaut zu, wie ein Schüler stirbt, dann werdet ihr überzeugt sein." Die Heiligen glauben an Erlösung während des Lebens, nicht an Erlösung nach dem Tod. Es ist wirklich eine einfache und leichte Wissenschaft, und der Schüler sollte sich nie mit seiner Initiation zufrieden geben, wenn er keine spirituelle Erfahrung erhalten hat. (Nach der Initiation) sollte er regelmäßig den spirituellen Übungen Zeit widmen und den Meister über seine Fortschritte informieren. Er sollte ständig, persönlich oder schriftlich, die Führung seines Meisters suchen, ohne zu denken, dass er ihn belästigt. Der Meister weiß durch Intuition, wie es jedem einzelnen Schüler geht. Die meisten Probleme des Schülers kann Er durch Gedankenübertragung oder mit anderen Mitteln beseitigen, aber Er möchte, dass Ihm der Schüler schriftlich berichtet, welche Schwierigkeiten ihn daran hindern fortzuschreiten.

Der uralte Pfad des Surat Shabd Yoga oder Para Vidya ist ein Weg, dem Männer, Frauen und Kinder jeden Alters problemlos folgen können, nicht so wie bei anderen Wegen, die komplizierte, anstrengende Übungen und Atemkontrolle erfordern. Sie bringen bestenfalls eine geringe Kontrolle des Selbst und ein paar unbedeutende Kräfte. Außerdem verlangen diese Methoden eine starke körperliche Konstitution und reichhaltige Nahrung. Deshalb werden sie von den Meistern als für dieses Zeitalter ungeeignet und gefährlich für den Körper abgelehnt.

Die Wissenschaft
Im physischen Körper wirken zwei Hauptströme, die das Leben kontrollieren: ein motorischer Strom (der Atem oder die Pranas) und ein sensorischer Strom, den man auch Aufmerksamkeit oder Surat nennen kann. Die Meister beziehen den motorischen Strom (bei der Meditation) nicht mit ein, damit die Atmung nicht gestört wird und der Lebensprozess weiterläuft. Der sensorische Strom verzweigt sich im ganzen Körper, aber sein Hauptzentrum liegt, zusammen mit dem Sitz des Gemüts, hinter und zwischen den Augenbrauen. Wir müssen den sensorischen Strom oder den Geist zu seinem Zentrum zurückziehen.


Initiation
Das Gemüt wird dem Menschen nicht erlauben, Wissen von der Seele zu erlangen. Es liegt in seiner Natur, hinter dem Vergnügen her zu sein, und man kann sein ständiges Schwanken nur schwer in den Griff bekommen. Sein Selbst auf den inneren Tonstrom abzustimmen, ist der beste Weg, das Gemüt zur Ruhe zu bringen und sich konzentrieren zu können. Dabei spielt es keine Rolle, zu welcher Gedankenschule oder Gemeinschaft ein Mensch gehören mag. Man braucht nicht zu einem anderen Glauben überzutreten, sondern kann in der Religion bleiben, in der man ist. Es gibt keine strengen und festen Regeln, keine Rituale oder Zeremonien, keinen Pomp und keine Show, kein Darbringen von Opfergaben, nicht einmal von Blumen. Alles was ein Schüler zu tun hat, ist, innen einzutreten und von nun an den Körper als sein Laboratorium zu betrachten. Hinsichtlich der Theorie muss er Folgendes verstehen – das ist auch die Essenz von dem, was im Satsang gesagt wird:

1. Der Meister ist nicht der Körper. Er ist die Kraft, die durch den Körper wirkt und ihn nutzt, um den Menschen zu lehren und zu führen, auf ganz ähnliche Weise, wie ein Geist ein Medium nutzt. Der Schüler kann seinen Meister auf den höheren Ebenen und hier auf Erden nur in verkörperter Form erkennen.

2. Der Meister ist Shabd, das Wort, Nad etc.. All diese Bezeichnungen beziehen sich auf die Gotteskraft, die sich durch das Prinzip von Licht und Ton zum Ausdruck bringt. Erlangt der Mensch eine Verbindung mit dieser Kraft, wird er in seine wahre Heimat zurückgeführt.

3. Das Wort nimmt Gestalt an, um die zu trösten, die vom Leben enttäuscht sind und sich nach bleibendem Glück und Frieden sehnen, weitab von der Welt und ihren Sorgen. In der Bibel heißt es: "Das Wort wurde Fleisch und lebte unter uns." Ist der Schüler einmal mit diesem Wort in Verbindung gekommen (das geschieht bei der Initiation durch den Meister), lebt das Wort in seiner hörbaren Form jeden Augenblick, Tag und Nacht in ihm und verlässt ihn niemals, nicht einmal, wenn sein Leben hier in dieser physischen Welt beendet ist. Es wird mit ihm gehen und bei ihm bleiben, bis er sein endgültiges Ziel erreicht hat. Das Wort ist auch bekannt als die Stimme Gottes oder der Tonstrom und ist der Lebensimpuls, den der Meister bei der Initiation gibt. Man kann es als einen Ton wahrnehmen, der aus einiger Entfernung näherkommt und allmählich bezaubernder klingt als alle Musik auf Erden. Es ist das Wasser des Lebens, die Quelle der Unsterblichkeit, das Elixier des Lebens, der Nektar der Spiritualität usw., von dem die Heiligen Schriften sprechen.

4. Der Mensch hat ein inneres Auge, mit dem er all die höheren Ebenen in sich selbst wahrnehmen kann, wenn der Vorhang durch einen kompetenten lebenden Meister entzwei gerissen wurde. Dabei ist der Mensch vollkommen bewusst und macht erstaunliche Erfahrungen. Sich ohne einen kompetenten Meister in die höheren Ebenen zu erheben, ist voller Gefahren.

Simran
Die Wiederholung der heiligen Namen, die der Schüler bei der Initiation erhält, ist ein Schutz gegen alle Gefahren. Sie sind gleichzeitig ein Passwort für alle spirituellen Ebenen, und geben Körper und Geist Nahrung und Kraft in Zeiten von Schwierigkeiten und Leid. Der Simran bringt die Seele näher zum Meister. Der Simran spielt eine entscheidende Rolle dabei, Konzentration zu erlangen, und verleiht verschiedene andere Kräfte. Was von den sogenannten Meistern als Simran gelehrt wird, sind einfach nur ein paar Worte. Aber genau die gleichen Worte sind elektrifizierend, wenn sie mit der Aufmerksamkeit und Gnade eines wahren Meisters aufgeladen werden.

Bei der Initiation werden zunächst einmal die inneren spirituellen Ebenen erklärt und beschrieben, und es wird erläutert, wie man den Weg gehen soll. Die praktische Seite der Initiation besteht einerseits darin, dass die innere Schau geöffnet wird, so dass wir die inneren Ebenen mit ihren verschiedenen himmlischen Lichtern sehen können, und andererseits in der Verbindung zum göttlichen Bindeglied oder Tonstrom. Beides täglich zu praktizieren und den Simran zu wiederholen, ist Meditation. Zusätzlich gibt der Meister Richtlinien für ein reines und einfaches Leben, erklärt, wie wichtig es ist, regelmäßig Zeit für die spirituellen Übungen einzusetzen, und gibt darüber hinaus andere fundierte Ratschläge. Das Ganze dauert etwa zwei bis drei Stunden.

Alle alten und neuen Schüler sollten Tagebücher über ihren spirituellen Fortschritt führen, damit ihre Fehler von Zeit zu Zeit korrigiert und ihr Voranschreiten sichergestellt wird.

Wunder
Meisterheilige zeigen dem Schüler niemals Wunder, außer in sehr seltenen Fällen, wenn ganz besondere Umstände vorliegen. Wunder stehen zwar im Einklang mit den Naturgesetzen, sind aber dennoch ein schreckliches Netz, das den Menschen gefangen nimmt. Sie stehen den höchsten Idealen des Menschen entgegen und sind ein Hindernis auf dem Weg zum Allmächtigen Gott. Der gewöhnliche Mensch hätte kein Interesse daran, so etwas zu erlernen, und zwar aus einem ganz einfachen Grund. Es sind eine ungeheure Selbstkontrolle und ein Training des Gemüts notwendig, und es verlangt

Einschränkungen, die man nicht bereit wäre zu ertragen oder einzuhalten. Die übernatürlichen Kräfte, die man nach einer langen Zeit (des Übens) erlangt, können dafür eingesetzt werden, Gutes oder Böses zu tun. Da sie weit mehr dazu genutzt werden, anderen zu schaden, als für irgendetwas anderes, bezeichnen alle wirklich spirituellen Menschen sie als Krankheit. Die Meister jedoch sind im Besitz der Höchsten Kraft, ihre Mission ist heilig. Ein Schüler, dessen innere Schau geöffnet wurde, sieht bei jedem Schritt zahlreiche Wunder. Zögert man, an einen Meister zu glauben, weil man keine Wunder sieht, so ist das genauso verrückt, wie wenn man nicht glauben will, dass jemand ein Multimillionär ist, solange er einem nicht sein Geld gezeigt hat. Er kann sein ganzes Geld auf der Bank liegen haben und wird es so ausgeben, wie er es will, ohne sich darum zu kümmern, ob die Öffentlichkeit das gutheißt oder dem zustimmt. Unter mehreren tausend Leuten, die zusehen, wie ein Magier seine Tricks vorführt, werden nur wenige sein, die dadurch angeregt werden, diese Kunst zu erlernen. Wer danach aus ist, Wunder zu sehen, ist kein wahrer Sucher.

Allgemeines
Heutzutage sehnt sich die Welt danach, (dass die Menschen) sich besser verstehen, sie sehnt sich nach Frieden und einem Leben ohne Konflikte. Diese Wissenschaft der Selbstanalyse ist das Heilmittel, um wieder eine gesunde Kultur (eine Gesellschaft mit höheren Werten) zu schaffen und Harmonie unter den Menschen, indem sie aufzeigt, dass alle Menschen Brüder sind und Gott ihr Vater ist. Wer behauptet, den unsichtbaren Gott zu lieben, aber seine Mitmenschen, die er sehen kann, nicht achtet oder liebt, ist verloren. Unsere Mitmenschen zu lieben, zu achten und ihnen dankbar zu sein, bedeutet, Gott zu lieben und zu ehren. Genauso ist auch unsere Liebe zum Meister, den wir sehen können und der unsere engste Verbindung zu Gott ist, in Wirklichkeit Liebe zum höchsten Vater.

Durch einen Meisterheiligen sollten wir daher Gottes Barmherzigkeit und Gnade in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen versuchen, denn Er ist Gottes sichtbarer Repräsentant. Das hat Spiritualität zum Ziel und ist keine Vergötterung. Die ganze Atmosphäre um solch einen wahren Meister ist erfüllt mit der Schwingung von Frieden und Liebe, und alle, die zu Ihm kommen, werden davon berührt. Selbst Briefe von Ihm oder in Seinem Namen geschrieben tragen diese Berauschung in sich und wirken bis in die tiefsten Tiefen des Herzens.

Der Guru geht Gott voraus. Eine solche Persönlichkeit war Meister Hazur Baba Sawan Singh Ji Maharaj, der viele Jahre mit Seinen Schülern zusammen war. Auch jetzt noch, nachdem Er den Körper verlassen hat, wacht Er über Seine Lieben und über alle, die sich einst mit Liebe und Ernsthaftigkeit im Herzen an Ihn wandten. Liebe kennt kein Gesetz, und noch heute erscheint Er ihnen zuliebe in Seiner strahlenden Form sogar auf den niederen spirituellen Ebenen. Nicht nur einer, sondern Hunderte können bezeugen, was unwissende Menschen eine Illusion nennen würden. Auf der physischen Ebene verströmt Er Seinen Segen durch Seinen Mittler, der nun Seinerseits den Menschen in allen spirituellen Angelegenheiten Führung gibt, im Ruhani Satsang, Sawan Ashram.

Eine Glühbirne ist ausgebrannt und wurde durch eine andere ersetzt. Es wirkt dieselbe Kraft und dasselbe Licht strahlt heute durch eine neue Birne. Alle, die zum Meister kommen, erhalten positive Erfahrungen, und jeder, der diese goldene Gelegenheit selbst nutzen möchte, sollte sich mit dem Meister in Verbindung setzen, und sein Wunsch wird erfüllt werden. Die Last all seines Kummers und seiner Sorgen wird von seinen Schultern genommen, und Sein Herz wird überfließen vor Freude und Glück.