Wir alle sind Liebende, Ergebene einer höheren Kraft, tausende von Liebenden, aber der Geliebte ist einer für alle. Er, nach dem wir uns sehnen, ist der Geliebte der ganzen Welt. Es gibt nicht einen speziellen Gott nur für Muslime, nur für Hindus, nur für Christen, Er ist der eine Gott für alle.

Sant Kirpal Singh

Von Sant Kirpal Singh, Washington D.C., 19. Januar 1964

Vortrag erhältlich als mp3 (48kbit, 25Mb, Laufzeit 1:13:07)


Wir sind alle Kinder Gottes. Gott ist Licht und wir sind auch Licht, wir sind Kinder des Lichts. Doch unser Licht ist umgeben von vielen Um­hüllungen, und wir haben uns so sehr mit diesen Umhüllungen identifiziert, dass wir uns selbst vergessen haben. Die Ursache für diese Identifikation ist, dass die Auf­merksamkeit, welche der Ausdruck unse­rer Seele ist, durch die nach außen gerich­teten Sinne in die äußere Welt zerstreut ist.

Als Mensch haben wir diesen menschli­chen Körper – ein wunderbares Haus, um darin zu wohnen. Der menschliche Körper wird als die höchste Form in der Schöpfung angesehen. Alle Meister prie­sen ihn. Sie sagten, dass er Gott am näch­sten sei. Wir sind von göttlicher Natur. Wir sind der Geist (oder das Leben) im Menschen. Da der Geist ewig ist, sind auch wir ewig. Warum fürchten wir, dass wir sterben werden? Wir haben unsere ei­gene Größe, die uns eingeboren ist, ver­gessen. Daher sagen alle Meister:
Verwirklicht die Göttlichkeit, die bereits in euch ist.

Es muss euch nichts von außen dazu gegeben werden. Wenn ein Meister mit euch in Verbindung kommt, gibt er euch nichts von außen. Unsere Aufmerksam­keit, welche der Ausdruck unserer Seele ist, hat sich in der Welt zerstreut. Er hilft uns einfach, unsere Aufmerksamkeit von außen zurückzuziehen um sie wieder zu ihrer Quelle zurückzuführen. Diese Quel­le ist unsere Seele. Sie befindet sich hinter den Augen – dort, wo sie beim Tod vom Körper zurückgezogen wird und ihn verlässt. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit zurückziehen können, erkennen wir, dass wir nichts anderes sind als Gott.

Wenn die Meister kommen, zeigen sie uns, dass wir uns in einem bedauernswer­ten Zustand befinden. Wir wohnen in ei­nem Haus, in dem so viele nach außen gerichtete Sinne wirken. Sie waren dazu gedacht, uns zu dienen, doch statt unsere Diener zu sein, haben sie uns zum Skla­ven gemacht. Sie üben solche Macht auf uns aus, dass wir ihnen blind gehorchen. Nehmt den nach außen gerichteten Ge­sichtssinn: Von dem Tag an, als wir ge­boren wurden, bis heute, ist unsere Auf­merksamkeit durch die Augen auf äuße­re Dinge gerichtet. Durch die Augen ha­ben wir so viele Eindrücke erhalten: man schätzt, dass es achtzig Prozent sind. Von den Eindrücken, die durch die an­deren Sinne in uns eindringen, sind die durch das Hörvermögen die häufigsten; wir nehmen vierzehn Prozent der Ein­drücke durch die Ohren auf. Die restli­chen sechs Prozent erreichen uns durch die anderen drei nach außen gerichteten Sinne.

Was geschieht nun? Wenn wir etwas sehen, werden wir sofort davon angezo­gen. Wir erhalten so viele Eindrücke durch die Augen, Ohren und die anderen Sinne, dass unser unterbewusstes Reser­voir von all den Eindrücken, die wir un­ser ganzes Leben lang aufgenommen ha­ben, überfließt. Selbst wenn wir träu­men, wirken sich diese Eindrücke aus.

Wenn wir wissen, wie wir uns zurück­ziehen können – das heißt, wie wir uns selbst von den Sinnen befreien können – dann besteht Hoffnung. Doch unsere Seele wird vom Gemüt beherrscht. Seele und Gemüt sind eins geworden und wer­den in dieser Verbindung "jiva" ge­nannt. Die Seele ist ewig, wie ich euch eben schon sagte, denn sie besteht nur aus einer Substanz: Bewusstsein. Doch dadurch, dass sie mit dem Gemüt in Ver­bindung kam, wurde sie zum Handeln­den. Durch diese Verbindung miteinan­der, werden Seele und Geist mittels der Sinne zu den äußeren Dingen hingezo­gen. Wir haben uns so sehr mit ihnen identifiziert, dass wir jetzt keine Vorstel­lung mehr von unserem eigentlichen Selbst haben.

Wir sind Seelen und nicht das Ge­müt.

Nehmt das Beispiel des Wassers: Es besteht aus zwei Gasen, Sauerstoff und Wasserstoff. Sauerstoff ist lebenspendend, wie ihr wisst. Wenn jemand schwer krank ist, gibt man ihm eine Sauerstoff­maske. Wasserstoff dagegen würgt uns in der Kehle. Wenn sich diese beiden un­terschiedlichen Gase jedoch miteinander verbinden, entsteht Wasser, dessen Ei­genschaft (völlig) verschieden ist von den beiden (Ausgangssubstanzen). Ähnlich ist es mit uns: Wir sind ewiger Geist im Menschen. In Verbindung mit dem Ge­müt wurden wir zum Handelnden, und "was immer wir säen, das werden wir ernten." So sagen die Meister: "Werdet still!" Was meinen sie damit? Körper und Intellekt zur Ruhe zu bringen, denn dann werden wir wissen, dass niemand anderes als Gott in uns ist. Das ist also der Zustand, in dem wir leben. Wir wis­sen nicht, wie wir uns befreien können. Die nach außen gerichteten Sinne sind so stark, dass wir es nicht fertig bringen, ob­wohl wir es wollen. Wir werden hilflos und beginnen zu weinen, und was ge­schieht dann? Wie ich euch sagte, sind wir Seelen, Kinder Gottes. Gott ist unser wahrer Vater und Er sieht: "Mein Kind ist unglücklich, es schafft es nicht allein, sich zu mir zu erheben, es kann sich nicht befreien." Wenn ein Mensch an Händen und Füßen gefesselt ist, wie kann er sich von diesen Fesseln befreien? Das muss ein anderer tun, der nicht ge­fesselt ist. Ein Gefesselter kann keinen anderen befreien. Ihr werdet also fest­stellen, dass man die Hilfe von jeman­dem braucht, der sich selbst befreit hat: Er hat seine Aufmerksamkeit von äuße­ren Dingen und von der Bindung, die die nach außen gehenden Sinne daran ha­ben, zurückgezogen, sich davon befreit und vom Gemüt getrennt. Ein Mensch, der das tut, weiß, dass er Göttlichkeit in sich hat.

Die Aufmerksamkeit ist noch von vie­len Hüllen und Bedeckungen umgeben, nämlich von der physischen, astralen, kausalen und überkausalen. Solange wir nicht von all diesen Dingen befreit sind, können wir offen gesagt nichts über un­ser eigenes Selbst wissen. Erst wenn wir uns von außen zurückziehen und uns über den eisernen Vorhang des physi­schen Körpers erheben, erkennen wir, dass wir nicht der Körper sind. Dann be­ginnen wir, uns der Göttlichkeit in uns bewusst zu werden. Wenn wir weiter fortschreiten, befreien wir uns von der astralen und kausalen Umhüllung. Wir werden uns mehr und mehr der Göttlich­keit bewusst, bis wir eins werden damit; denn wir sind Licht, und wenn man das Licht von allem anderen trennt, wird dieses Licht von selbst eins mit dem größeren Licht. Nehmt das Beispiel einer Kerze. Wenn man eine brennende Kerze gerade hält, geht die Flamme nach oben. Doch selbst wenn ihr die Kerze nach un­ten haltet, geht die Flamme noch nach oben. So versuchen unsere Seelen, die Licht sind, immer zur großen Quelle des Lichtes zu gelangen. Diese Quelle wird Gott genannt – jener Gott, der sich zum Ausdruck brachte. Alle Schriften berich­ten uns, dass Gott wünschte, es werde Licht, und es wurde Licht.

Wir haben diesen menschlichen Kör­per erhalten, ein wunderbares Haus in dem wir wohnen. Dafür gab Gott uns Diener, die uns helfen sollten; sie jedoch lehnen sich auf, und anstatt uns zu ge­horchen und das zu tun, was wir möch­ten, ziehen sie uns nach außen. Welche Dinge kommen uns dabei in den Weg? Wohin ziehen uns unsere Sinne? Zu den äußeren Vergnügungen. Für wen sind es Vergnügungen? Für die Seele unter der Kontrolle des Gemüts, "jiva" genannt. Solange wir nicht mehr Glückseligkeit und Freude erhalten als wir jetzt haben, können wir die äußeren Dinge nicht los­lassen. Gott hat also Vorkehrungen ge­troffen.

Die äußeren Dinge, die Vergnügun­gen, die uns nach außen ziehen, können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die erste ist: schöne Landschaften und ande­re Schönheiten. Wenn wir eine schöne Landschaft oder irgend etwas Schönes sehen, wird unsere Aufmerksamkeit da­von angezogen. Die zweite Kategorie ist: anziehende Musik. Diese beiden Fakto­ren ziehen uns am stärksten nach außen. Doch Gott hat mehr Glückseligkeit, mehr Glück, mehr Freude und süßere Symphonien der Sphärenmusik. Alle Herrlichkeit und Schönheit liegen in uns – wenn wir nur wüssten, wie wir uns von außen zurückziehen können. Wir haben einen großen Schatz in uns.

Gott ist ein verborgener Schatz in uns, mit aller Schönheit, allen sü­ßen Symphonien.

Doch wir wissen nicht, wie man sich nach innen wendet, sich ganz von außen zurückzieht, um sich daran zu erfreuen. Das ist unser augenblicklicher Zustand. Als Menschen sind wir alle eins. Nehmen wir folgendes Beispiel: in einem Haus lehnen sich zehn Dienerinnen gegen die Herrin auf, obwohl sie ihr eigentlich hel­fen sollten. Statt zu gehorchen, missach­ten sie jede Anweisung. Wie wird es in diesem Haus aussehen? Alles geht drun­ter und drüber. Gehorchen die Dienerin­nen jedoch, ist das Haus sauber und or­dentlich. Selbst im Dunkeln kann man sich darin zurechtfinden. Ist das aber nicht der Fall, was dann? Die Tische sind umgekippt, es ist chaotisch und dunkel und beim Gehen stolpert man über Sa­chen, die auf dem Boden liegen. Es ist kein Licht da, um etwas zu sehen. Das ist der tatsächliche Zustand in dem wir leben. Als erstes sagen uns die Meister, wie man die nach außen gerichteten Sin­ne kontrolliert. Sie sagen uns – und mehr noch – sie zeigen uns auch, wie man sich zurückzieht, und eine Verbin­dung mit all der Schönheit und Herrlich­keit erhält, die in uns ist. Am ersten Tag erhalten wir eine Verbindung damit, wenn wir lernen, wie man sich von au­ßen zurückzieht, auch wenn es nur für kurze Zeit ist. Der erste Schritt ist schwierig.

Wie ich euch sagte, wird unser Inneres von so vielen äußeren Eindrücken über­flutet, dass sie sogar in den Träumen wie­derkehren. Wenn ihr euch zur Medita­tion setzt, werden ganz von selbst Dinge hochkommen, von denen ihr sogar nie­mals geträumt habt. Dies sind die vielen unzusammenhängenden Eindrücke, die ihr euer ganzes Leben lang in euch auf­genommen habt. Das ist die erste Schwierigkeit, die wir haben. Aus die­sem Grund kommen die Meister und sa­gen uns, woher wir diese Eindrücke er­halten, wie wir sie kontrollieren können und wie wir es unterbinden können, wei­tere Eindrücke von außen in uns aufzu­nehmen. Als erstes müssen wir das Haus (des Körpers) betreten. Ich sage euch ehrlich, die Dienerinnen haben die Herrin in Fesseln gelegt! Die eine zieht sie hierhin, die andere dorthin. Das Er­gebnis ist, dass es im ganzen Haus drun­ter und drüber geht und dunkel ist.

Was tut euer Meister, wenn ihr zu ihm kommt? Er gibt euch diese Lehre und zeigt euch, wie man sich zurückzieht, wie eure Aufmerksamkeit von außen zu­rückgezogen wird, wie man das Labora­torium des menschlichen Körpers betritt. Er zeigt euch, wie die Aufmerksamkeit von den nach außen gerichteten Sinnen befreit wird, und wie man sich eine Wei­le lang über den Körper erhebt und eine Verbindung im Innern erhält. Von wem? Von Gott.

Was ist Gott? Gott ist Licht, Gott ist Leben, Gott ist Liebe. Ihr seht Licht; ihr erhaltet eine Erfahrung vom Licht, sei es mehr oder weniger. Ihr spürt Bewusstsein und fühlt euch ein wenig vom Körper ge­trennt. Ihr beginnt nun zu sehen. Jetzt sagen wir zwar: "Das ist mein Körper!", doch praktisch haben wir uns noch nie vom Körper getrennt gesehen. Dann aber sagen wir wirklich: "Der Körper ist wie ein Mantel, den man ablegen kann!"

Gott ist Liebe und wir sind ein Tropfen vom Ozean aller Liebe.

Jene Liebe ist uns eingeboren. Sie keimt auf, und wenn sie mit der sich zum Ausdruck bringenden Gotteskraft, dem Licht- und Tonprinzip, in Verbindung kommt, fließt sie über. Das ist also unsere Lage, darin liegt das Leiden, das wir beseitigen müssen. Aus diesem Grund haben wir uns verschiedenen Ge­dankenschulen, die man Religionen nennt, angeschlossen, und sie sind Mittel zum Zweck.

Wer sind wir? Wir sind Kinder des Lichtes unter der Kontrolle des Gemüts und der nach außen gerichteten Sinne. Wir sind so sehr mit dem Körper und den äußeren Dingen identifiziert, dass wir unser eigenes Selbst vergessen haben, ganz zu schweigen von jener großen Kraft in uns, die jeden von uns im Kör­per kontrolliert. Sonst könnten wir aus diesem Körper heraus. Doch das geht nicht. Die beiden Augen sind offen, die beiden Ohren, die beiden Nasenlöcher und der Mund; dennoch können wir den Körper nicht verlassen. Es liegt daran, dass eine kontrollierende Kraft in uns ist.

Was ist die Aufgabe eines Meisters? Und was ist Er? Äußerlich ist er ein Mensch wie ihr: Er hat dieselben zwei Augen, zwei Ohren, zwei Hände, zwei Füße. Er spricht wie ihr, Er isst auch, um den Körper zu erhalten und führt Ver­pflichtungen auf der weltlichen Ebene aus, doch Er ist sich Seiner göttlichen Natur bewusst. Er ist ein bewusster Mit­arbeiter am göttlichen Plan, obwohl Er auf der Ebene der Menschen wirkt, um ihnen als Mensch zu helfen.

Wir müssen also (die Täuschung oder Unwissenheit) überwinden. Unsere Ge­dankenschulen oder Religionen entstanden mit dem Zweck, das Rätsel des Le­bens zu lösen – um uns aus dem Netz der Täuschung oder des Vergessens zu befreien. Wir wissen nicht, wer wir sind. Ein kleines Kind weiß es besser als wir. Wenn ihr es fragt, wer es sei, öffnet es seine Augen, seinen Mund und zeigt zum Stirnbereich (dem Sitz der Seele). Wenn es erwachsen ist und ihr dann fragt, er­haltet ihr die Antwort: "Ich bin Herr So-und-so! Ich bin Christ! Ich bin Hindu! Ich bin Mohammedaner!" Oder: "Ich bin Amerikaner! Ich bin Franzose! Ich bin Deutscher! Ich bin Inder!" Wer ist der Mensch wirklich? Er ist ein bewusstes Wesen. Das haben wir jedoch vergessen. Wir entfernen uns so weit von unserem eigenen Selbst, dass wir es vollkommen vergessen.

Die Meister kommen, um uns das zu sagen. Sie sprechen uns als Mensch, auf der Ebene des Menschen an: "Oh Mensch, erwache!" oder sie sprechen auf der Ebene der Seele, des bewussten Wesens: "Oh Kinder des Lichtes, er­wacht! Ihr schlaft, ihr werdet vom Ge­müt beherrscht, eure Aufmerksamkeit ist in der Welt zerstreut und hat sich da­mit identifiziert. Nach außen hin seid ihr wach, aber im Innern schlaft ihr."

Die Gotteskraft ist bereits in euch, sie wartet auf euch.

Eure wahre Heimat ist die wahre Hei­mat eures Vaters, des All-Bewusstseins, der All-Weisheit. Warum hängt ihr so an dieser materiellen Welt, an diesen äußeren Dingen? Sie wurden euch nur für kurze Zeit gegeben. Der Körper besteht aus Materie und ändert sich jeden Mo­ment des Lebens. Er ist die goldene Gelegenheit, die uns gegeben wurde, um uns selbst zu verwirklichen, um uns selbst und die kontrollierende Kraft zu erkennen, die uns in diesem Körper überwacht und auch das ganze Univer­sum kontrolliert.

Alle Meister sagen das, jedoch mit verschiedenen Worten, die der Zeit, in der sie jeweils kamen, entsprachen. Durch ein vergleichendes Studium der Religionen werdet ihr feststellen, dass es so ist. Religionen entstanden, um uns von all diesen Verwicklungen zu befrei­en, so dass wir uns selbst und Gott erken­nen können. Sie waren Mittel zum Zweck. Die Schule oder Universität ist angesehen, an der viele Schüler oder Stu­denten den Abschluss oder einen akade­mischen Grad erreichen. Doch wir ha­ben uns ihnen nur angeschlossen und das Ziel dabei vergessen. Weil wir der einen oder anderen Religion oder einem Land angehören, identifizieren wir uns damit. Es gab religiöse und patriotische Kriege, in denen Tausende und Millionen getötet wurden und noch immer geht das Töten weiter.

Wenn die Meister kommen, geben sie uns die Lehre vom universellen Stand­punkt aus, Sie betrachten alle als Kinder Gottes, als Brüder und Schwestern in Gott, denn alle werden von jener höch­sten Kraft erhalten und kontrolliert. Das ist unsere wahre Situation. Es ist ein Se­gen, in der Religion zu bleiben, der ihr angehört, doch wenn ihr eure verlorene Göttlichkeit nicht wieder erlangt, bedeu­tet es, dass ihr immer noch gebunden seid. Zu diesem Zweck sagen uns die Meister, was wir tun sollen.

Es gibt in den Hindu-Schriften eine Geschichte von einem sehr gelehrten Pandit oder Hindu-Priester. Er war Mi­nister eines Königs namens Prikshat. Je­den Morgen las er am Hof aus den Schriften vor. Darin steht, dass diejeni­gen, die die Schriften hören und danach handeln, befreit werden. Befreiung (Er­lösung) erlangt man nicht nach dem Tod, sondern man muss sie während des Lebens erlangen. Viele Male wurden die­se Schriften also vorgelesen, Tag für Tag, Monat für Monat. Eines Tages dachte König Prikshat: "In den Schrif­ten habe ich gelesen, dass wer auch im­mer diese Schriften hört, ein für alle Mal befreit ist. Ich aber bin gebunden."

Das Gemüt ist wie ein gerechter Rich­ter, es sagt euch, warum ihr gebunden seid. Wenn ihr ihm erlaubt, darüber nachzudenken, ist es ganz wahr (zu euch).

Er sagte zu dem Priester: "Schau her, ich habe diese Schriften so oft gehört. Noch einmal gebe ich dir die Chance, die ganzen Schriften von Anfang bis Ende durchzulesen, und wenn ich danach nicht befreit bin, werde ich dich töten lassen!" Was geschah? In sieben Tagen waren die ganzen Schriften vorgelesen worden und am letzten Tag kam der Priester nach Hause und legte sich in Verzweiflung nieder: "Morgen ist mein Todestag!" Seine Tochter war sehr wei­se. Sie fragte ihren Vater: "Warum bist du so traurig?" – "Ach, meine liebe Tochter, morgen werde ich hinge­richtet!" – "Warum?" – "Weil in den Schriften steht: Wer auch immer diese Schriften liest und sie befolgt, wird be­freit. Doch ich weiß, dass weder der Kö­nig noch ich frei bin. Ach, morgen wer­de ich hingerichtet, es gibt kein Entkom­men!" Seine Tochter sagte zu ihm: "Gut, ich werde morgen früh zum König gehen und ihm eine Frage stellen." Sie ging am nächsten Morgen zum König und er fragte sie: "Warum bist du ge­kommen?" Die Tochter sagte: "Ich bin gekommen, um euch Antwort auf die Fragen zu geben, die ihr meinem Vater gestellt habt!" – "Was ist die Antwort?" – "Hier kann ich sie euch nicht geben. Lasst uns in die Wildnis ge­hen, ganz allein, Ihr und ich!" Und sie ließ auch ihren Vater holen und nahm zwei Seile mit. Damit band sie den König an einen Baum und ihren Vater an einen anderen. Beide waren jetzt an einen Baum gefesselt. Sie ging zu ihrem Vater und sagte: "Vater, kannst du bitte den König dort drüben losbinden?" Er ant­wortete: "Wie sollte ich, ich bin doch selbst gebunden!" Dann ging sie zum König: "König, könntet Ihr bitte meinen Vater losbinden?" – "Oh du dummes Mädchen, siehst du nicht, dass ich gefes­selt bin? Wie kann ein Gefesselter einen anderen befreien?" Und das war es, was sie damit zeigen wollte, versteht ihr? So geschieht es tatsächlich: Wir sind an Hän­den und Füßen durch die nach außen ge­richteten Sinne gebunden. Wir wissen nicht, wie wir selbst befreit werden kön­nen, wie können wir dann andere befrei­en? Sich von den Bindungen zu befreien, ist eine praktische Sache. Nur die Schrif­ten zu lesen oder zu hören, ist nicht genug. Es muss jemand da sein, der uns eine Ver­bindung im Innern gibt und uns praktisch zeigen kann, wie man sich für eine Weile von außen zurückzieht, wie man sich über die Fesseln der nach außen gerichteten Sinne erhebt und wie man das innere Auge öffnet. Wenn wir es einmal getan haben und durch regelmäßige Übung wieder und wieder tun, werden wir Erfolg haben. "Wenn du nicht gleich erfolgreich bist, versuch es immer wieder von Neuem!" Das also tut der Meister.

Einen Vortrag halten, euch sagen wie man beten und bestimmte Bräuche und Riten ausführt, kann jeder mit ein wenig Übung: Man kann lernen, wie man sich dabei benimmt, wie man Freude oder Ernst zum Ausdruck bringt – nein, das ist es nicht. Dies hier ist eine Frage der Praxis. Derjenige, der dieses Wissen und jene Erfahrung hat, ist fähig, sie auch an­deren zu geben. Er wird euch eine Erfah­rung geben, mit der ihr beginnen könnt, mag es mehr oder weniger sein.

Was möchte Er von uns? Er möchte, dass wir Körper und Gemüt zur Ruhe brin­gen. Gott kann man nicht mit den nach außen gerichteten Sinnen, dem Intellekt oder den feinstofflichen Lebensenergien, "Prana" genannt, erkennen. Nur glei­ches kann gleiches erkennen. Er kann nur von der Seele erkannt werden, wenn sie von den nach außen gehenden Sinnen getrennt wird und dadurch frei wird. Das ist eine Frage der Praxis. Jetzt leuchtet es uns zwar intellektuell ein, doch wie können wir es praktisch tun? Schriften lesen, Gebete sprechen und Zeremonien abhalten, sind Handlungen, die wir mit Hilfe der nach außen gerich­teten Sinne tun. Doch das (was hier ge­sprochen wird) ist etwas, das erst be­ginnt, wenn ihr euch über die nach au­ßen gerichteten Sinne erhebt. Ihr könnt es auch nicht mit Hilfe des Gemüts oder Intellekts erlangen, sondern erst, wenn ihr intellektuell still seid. Ihr mögt intel­lektuell Schlüsse ziehen und zu einem Er­gebnis kommen, aber dabei wirkt immer noch das Gemüt durch den Verstand. Wir müssen auch den Verstand zur Ruhe bringen. Dann erhebt sich die Seele und wird frei. Das ist alles, was wir zu tun haben.

Was tut der Meister, wenn jemand zu Ihm kommt? Alle zehn Diener – die nach außen gerichteten Sinne – müssen unter Kontrolle sein: das Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Berühren, die durch die Sinnesorgane der Ohren, Au­gen, Nase, Zunge und Haut wirken. Wenn sie unter Kontrolle sind, wird das Haus in Ordnung sein. Jeder Diener wird seine Aufgabe erfüllen: "Du putzt die Zimmer! Du stellst die Stühle gerade! Du zündest das Licht an!" Alles wird in Ordnung sein. Das ist das erste, was zu tun ist. Wer an äußere Freuden und Ver­gnügungen verhaftet ist – seien sie gut, oder schlecht – kann sich nicht über das Körperbewusstsein erheben. Lord Krishna sagte: "Gute Taten und schlechte Taten sind beide bindend, wie Ketten aus Eisen oder Ketten aus Gold!" Das ist also das erste Praktische, was wir erhalten, wenn wir zu Füßen des Meisters kommen. Er zeigt euch den Weg, wie man sich von au­ßen zurückzieht und sich für eine Weile über das Körperbewusstsein erhebt. Einen akademischen Abschluss kann man nicht an einem Tag machen. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Doch wenn ihr einmal etwas bekommt, es dann regelmä­ßig übt und Seinen Anweisungen ge­horcht, werdet ihr fortschreiten. Einer, der heute in der Abschlussklasse ist, war auch einmal im ersten Schuljahr. Wenn denen, die jetzt im ersten Schuljahr sind, dieselbe Hilfe und Führung zuteil wird, können auch sie die Abschlussklasse errei­chen. Deswegen heißt es: "Jeder Heilige hat eine Vergangenheit und jeder Sünder eine Zukunft!" Der Mensch kann sich wandeln. Selbst Räuber können Heilige werden: Valmiki war ein Räuber und wur­de zu einem Heiligen. Er berichtete die Geschichte des Ramayana achtzehntau­send Jahre bevor sie tatsächlich geschah. Was ich sagen will, ist: Es gibt Hoffnung für jeden. Es gibt nichts, weshalb man entmutigt sein müsste. Doch wir müssen die Erfahrung, die uns gegeben wurde, entwickeln, ohne dass die nach außen ge­henden Sinne oder der Intellekt dazwi­schenkommen. Das heißt nicht, dass man den  Intellekt  nicht  gebrauchen  sollte.

Wenn ihr eine Sache verstanden habt, dann tut sie.

Lasst nicht zu, dass das Gemüt sich einmischt. Denn wenn das Gemüt (wäh­rend der Meditation) an etwas festhält, hierhin und dorthin schaut und Schlüsse zieht, wirkt der Intellekt. Solange ihr nicht intellektuell still seid, könnt ihr kei­nen Schritt weitergehen. Das ist das er­ste, was wir tun müssen. Um das zu er­reichen, werdet ihr angewiesen, ein Ta­gebuch zur Selbstprüfung zu führen. Er­kennt ihr jetzt die Notwendigkeit des Ta­gebuchs? Doch wie viele von euch führen das tägliche Tagebuch? Ich fürchte, es sind nicht einmal zehn Prozent. Das ist der Grund, dass wir nicht voranschrei­ten, obwohl wir etwas erhalten haben. Wir müssen voranschreiten, das ist das erste, was wir zu den Füßen des Meisters lernen.

Was ist der Unterschied zwischen ei­nem Meister und einem gewöhnlichen Menschen? Er ist ein Mensch wie wir. Es ist wie bei einem Arzt, der durch das Studium der Anatomie weiß, wie das Körpersystem arbeitet, wie Krankheiten entstehen und wie man sie heilen kann. In ähnlicher Weise leiden auch wir an ei­ner Krankheit. Der, der erfahren und kompetent ist, der selber über diese Ge­bundenheit hinaus geht und anderen hel­fen kann, sich darüber zu erheben, wird Meister genannt. Das heißt: Es ist Gott in ihm, der wirkt. Wisst ihr, wer euch ei­ne Verbindung mit Gott geben kann?

Ein Menschensohn kann es nicht – es ist allein der Absolute Gott, der sich zum Ausdruck brachte. Als Er (auf diese Ebe­ne) herab kam, lehrte Er den Höchsten Weg. Er kennt den Weg und auch im menschlichen Körper ist Er sich dessen bewusst. Das ist der Unterschied zwischen ei­nem Menschen und einem Meister. Wenn ihr zu einem solchen Meister kommt, ist das also das Erste, was zu tun ist. Und hie­rin liegt der Mangel sage ich euch. Uns wurde eine Erfahrung gegeben, doch wir leben nicht entsprechend. Wir werden von den äußeren Vergnügungen weggezogen, obwohl wir wissen, dass Gott in uns ist – das kostbare Juwel, die Perle von un­schätzbarem Wert – können wir die wert­losen äußeren Dinge nicht lassen.

Tagore, ein Dichter von internationaler Bekanntheit, sagt: "Oh Gott, ich sehe, in Dir liegt ein großer Schatz. Warum kann ich den Schmutz und die wertlosen Dinge dieses Körpers nicht wegwerfen?" Wir wissen es sehr wohl, intellektuell erkennen wir die Wahrheit. Was sagen die Meister?

Gott zuerst und dann die Welt!

Und was sagen wir? "Erst die Welt und dann vielleicht Gott!" Ehrlich gesagt sind wir nicht nach Gott aus, sondern nach der Welt. Wir beten zu Gott. Warum? Die meisten von uns bitten um weltliche Din­ge. Läge es nicht in der Macht Gottes, ih­nen diese Dinge zu gewähren, würde kei­ner je an Gott denken. Ein Schwacher be­tet zu einem Starken. Was auch immer aus unserem tiefsten Herzen kommt, das hört Er, denn Er ist bereits dort. Er beobach­tet alle unsere Handlungen.

Bittet, so wird euch gegeben!

Das sagten alle Meister. Das ist das er­ste; ich habe sehr viel Nachdruck auf diesen Punkt gelegt, ich habe euch gebe­ten und euch dazu angewiesen, ich habe euch darum gebettelt in meinen Rund­briefen und Gesprächen – und wenn ihr es immer noch nicht tut? Wir sollten es jetzt wirklich tun! Das ist das erste. Wenn ihr es tut, was wird dann gesche­hen? Obwohl ihr die Augen offen habt, werdet ihr soviel Kontrolle über eure Wahrnehmung haben, dass ihr mit offe­nen Augen nicht seht. Das können wir entwickeln. Newton saß in einem Zim­mer, das zur Straße hinausging, und lö­ste mathematische Probleme. Er war so darin vertieft, dass er eine Musikkapelle, die an ihm vorüberzog, nicht hörte. Wa­rum? Wenn die Aufmerksamkeit, die der Ausdruck unserer Seele ist, nicht bei den nach außen gerichteten Sinnen ist, funktionieren sie nicht. Jemand kam und fragte Newton: "Ist hier eine Musik­kapelle vorüber gekommen?" – "Nein", sagte er, "Ich habe nichts bemerkt!"

Vielleicht habt ihr in eurem eigenen Leben einmal die Erfahrung gemacht, dass ihr ganz in Gedanken vertieft ward und ihr es nicht gehört habt, als euch je­mand rief. Wenn jemand kommt und sich neben euch setzt, während ihr so vertieft seid, merkt ihr es nicht. Ihr wisst nicht, wer kommt und geht. Das ist das Training der Aufmerksamkeit, es wird "Surat Yoga" genannt.

Wenn die Aufmerksamkeit (Surat) kon­zentriert ist, könnt ihr unter hundert Leu­ten sitzen und seid doch ganz allein. Das sagt auch Emerson. Wenn er ganz allein sein wollte, ging er in ein Gasthaus, wo Hunderte kommen und gehen. Das war so, weil er mit niemanden etwas zu tun hatte. Er war in seine eigenen Gedanken versunken. Ihr denkt vielleicht, dass ihr die Welt verlassen und euch in die Wildnis zu­rückziehen solltet, doch auch dort gibt es Tiere und Bäume, und eure Aufmerksam­keit wird nach außen gezogen.

Alle nach außen gerichteten Sinne zu kontrollieren, ist das einzige, was notwendig ist.

Wie man das macht, könnt ihr von denen lernen, die es gemacht haben, indem ihr ihren Anweisungen folgt. Vielleicht habt ihr in eurem eigenem Leben erfahren, dass ihr eine Art Ruhe und Frieden spürt, wenn ihr euch völlig von außen zurückzieht; nicht jeden Tag, aber manchmal. Wenn ihr euch ganz vertieft und von außen ab­geschnitten seid, empfindet ihr ein Gefühl von Zufriedenheit, Ruhe, Glück und Frie­den. Was geschieht dann? Wir möchten dieses Gefühl länger empfinden. Natürlich möchten wir das.

Wir sind Kinder des Lichts, wie ich euch sagte. Unser Ursprung ist oben, wie bei ei­ner Kerzenflamme. Jeder Mensch möchte sich nach oben erheben. Selbst wenn man eine Kerze umgekehrt hält, zeigt die Flamme nach oben.

Unsere Seele ist von Gott, sie ist Licht.

Sie ist durch die nach außen gerichte­ten Sinne an den Körper gebunden. Wenn sie befreit wird, erhebt sie sich nach oben; das ist ganz natürlich. Und dann kommt ganz von selbst wahre Ru­he. Wie geschieht es? Wenn wir unsere Aufmerksamkeit von außen zurückzie­hen und das Laboratorium des menschli­chen Körpers betreten. Wie angenehm fühlt ihr euch, wenn ihr in ein Haus mit Klimaanlage kommt, nachdem ihr drau­ßen in brennender Hitze gewesen seid! So ähnlich ist das. Ihr fühlt euch sehr wohl. Ihr erhaltet innere Einblicke, wenn der Meister kommt. Er zeigt euch nicht nur, wie man sich von außen zu­rückzieht und das Laboratorium des menschlichen Körpers betritt, sondern auch, wie man sich über die Sinne erhebt und eine Erfahrung vom Jenseits er­langt.

Wann ist das möglich? Wenn das Ge­müt aufhört zu fragen. Wenn der Intel­lekt zur Ruhe kommt, leuchtet die Wahrheit auf und ihr seht Licht. Wenn ihr jedoch ständig fragt, warum dies so ist und jenes nicht so, warum (jene Er­fahrung) nicht gekommen ist, dann ist euer Gemüt nicht still. Es muss aber zur Ruhe kommen. Wenn das erreicht ist, erhaltet ihr die Erfahrung Gottes in der Form von Licht und Ton. Der Meister gibt euch zuerst eine Erfahrung, wie man sich über den eisernen Vorhang des menschlichen Körpers erhebt, und wenn ihr Tag für Tag übt, erhebt ihr euch über den Astral-, Kausal- und Überkausalkörper. Von Tag zu Tag erfahrt ihr mehr Glückseligkeit und Freude. Der Heilige Tulsi Das sagt, als er sich über das Körper­bewusstsein erhob und in die Kausalebene kam und diese Glückseligkeit und Freude erfuhr, dachte er: "Das ist das Höchste, das Äußerste!" Als er jedoch die Kausalebene überschritten hatte und in die Überkausalebene und darüber hinaus gelangt war, sagte er: "Die Kausalebene ist im Vergleich dazu ein Schuttplatz."

Diejenigen, die jene Glückseligkeit ge­kostet haben, sind hier in der Welt, doch sie sind gebunden – die Meister unterlie­gen den Anweisungen Gottes. Sie möch­ten gern zurückgehen. Wenn wir eine sol­che innere Erfahrung machen, wünschen wir uns, dorthin zu gehen. Warum möch­ten wir jetzt nicht dorthin? Weil wir Freu­de, Glück und Zufriedenheit in den äuße­ren Dingen finden. Und mehr noch, wir haben uns niemals darum gekümmert, tief in die Sache einzudringen und zu untersu­chen, was es ist, das uns Glück in den äu­ßeren Dingen gibt.

Wir sind bewusste Wesen. Wie kann ein bewusstes Wesen Freude, Glück oder Zu­friedenheit durch materielle Dinge haben? Und doch fühlen wir es – aber wie und warum? Wir sind verkörpertes Glück. Gott ist alle Glückseligkeit, alle Freude, alles Glück und dieses Glück ist uns eingeboren. Solange wir mit etwas identifi­ziert sind, wird unser eigenes Glück dar­in reflektiert. Wenn uns jene Sache aber weggenommen wird oder wir sie verlas­sen müssen, empfinden wir Unglück. So sollten wir uns also mit etwas identifizie­ren, was sich nicht wandelt, und das ist Gott allein. Jedes Glück das wir durch äußere Dinge spüren, liegt nicht wirklich in diesen Dingen, sondern in unserem ei­genen Selbst. Es spiegelt sich in diesen Dingen, solange wir mit ihnen identifi­ziert sind. Eine erwachte Seele ruft aus: "Oh Gott, wie schön bist Du! Wie herr­lich und allwissend!" Sie sieht Seine Weisheit in allen Dingen, denn sie wird zum bewussten Mitarbeiter am göttlichen Plan. Sie sieht, dass Er es ist, der alles tut, nicht sie selbst.

Natürlich erhebt sich bei Neuen die Frage: "Wie hast du diesen Zustand er­reicht? Du sagst, alles ist schön, alles ist voller Herrlichkeit, außen und innen ist alles Seine Offenbarung, Gott ist Licht, Gott ist überall. Doch wie hast du diesen Zustand erreicht? Was hast du gemacht?" Diese Frage ist ganz natür­lich. Ich denke, wir sehnen uns alle nach diesem Zustand. Der erste Schritt ist: Seid wahrhaftig. Seid wahr. Wenn ihr keine Lügen sprecht, werdet ihr euch wandeln. Taten der Dunkelheit werden im Dunkeln begangen. Ihr möchtet ir­gendwohin gehen, wo euch niemand sieht. Alles, was Verborgenheit verlangt, ist eine Sünde.

Zwei Wahrheitssucher kamen zu ei­nem Meister. Der Meister sagte zu ihnen: "Seht, hier sind zwei Tauben. Nehmt sie und tötet sie an einem Ort, wo euch nie­mand sieht!" Der Eine war sehr flink. Er ging hinter eine Mauer, wo niemand ihn sehen konnte, tötete sie und kam nach ein paar Minuten zurück. Der andere arme Junge konnte keinen Ort finden, an dem ihn niemand sah. Vom Morgen bis zum Abend lief er herum und kehrte abends unverrichteter Dinge wieder zurück. Der Meister fragte ihn: "Wie? Du warst nicht fähig die Taube zu töten?" – "Nein Herr!" – "Warum nicht? Konntest du keinen Ort finden an dem du es tun konn­test?" –- "Nein, Herr!" – "Wer hat dich denn gesehen?" – "Die Taube selbst hat mich gesehen!"

Folgt dem Schönen, das zu euch ge­sprochen wird. Lebt danach, jeder einzel­ne von euch. Ihr müsst zu Botschaftern werden, sage ich euch. Wer auch immer den menschlichen Körper erhalten hat, hat das Geburtsrecht, Gott zu werden. Das ist keine Übertreibung. Doch wir folgen dem nicht, das ist das Schlimme. Ihr werdet se­hen, dass ihr aus diesem Grunde die Tage­bücher erhalten habt. Wozu sind sie da?

Seid wahr in Gedanken, Worten und Taten.

Macht keine falschen Versprechungen. Lasst denken und sprechen nicht vonein­ander verschieden sein, sondern lasst Herz, Verstand und Zunge übereinstimmen. Was ist das Kennzeichen, dass das, was ihr sagt, wahr ist? Wenn eure Zunge, euer Verstand und euer Gemüt mit dem übereinstimmen, was ihr in eurem Herzen habt. Könnt ihr dann etwas Schlechtes tun? Manchmal tun wir etwas und wenn später jemand danach fragt, sagen wir: "Ich habe nichts getan." Ist das nicht ei­ne Lüge? Wenn ihr einmal lügt, müsst ihr noch hundertmal lügen, um diese Lüge abzudecken. Erkennt, wie wir uns selbst immer mehr Dornen schaffen! Einen wahrhaftigen Menschen könnt ihr jeder­zeit etwas fragen, und er wird immer dasselbe antworten; er muss nicht nach­denken, was er sagen soll. Doch einer, der lügt, muss nachdenken: "Diesem ha­be ich es so erzählt, dem anderen so!" Er versucht die ganze Zeit, etwas zu verber­gen. Doch die Katze muss aus dem Sack.

Eines ist: wenn ihr wahrhaftig seid, könnt ihr euch ändern. So brauchen wir als erstes Wahrhaftigkeit. Doch nicht so, dass jeder es sieht. Ihr seht es, Gott in euch sieht es, die Meisterkraft in euch sieht es. Deswegen sage ich: Seid wahr zu eurem eigenen Selbst! Wenn ihr wahr seid zu eurem eigenen Selbst, seid ihr wahr zu Gott, zu eurem Meister. Wenn ihr wahr seid zu eurem eigenen Selbst, braucht ihr niemanden auf der Welt zu fürchten – nicht einmal in den drei Wel­ten. Das ist das erste, was erforderlich ist.

Und weiterhin, wenn ein Gott-im­-Menschen – der menschliche Pol, in dem Er sich offenbart – euch auf den Weg stellt und euch eine innere Verbin­dung gibt, dann ist jene Gotteskraft der wahre Meister, nicht der Menschensohn.

Er wohnt in euch. Könnt ihr irgend etwas Schlechtes oder Böses tun, wenn ein fünf­jähriges Kind bei euch sitzt? Ihr tut es lie­ber im Geheimen. Unser Meister sagte im­mer: "Wenn ein fünfjähriges Kind bei euch sitzt, möchtet ihr schlechte Dinge ge­heimhalten." Wenn ihr Schlechtes tun wollt, vermeidet ihr es dabei, gesehen zu werden, obwohl die Gotteskraft selbst in uns ist und jede unserer Handlungen be­obachtet. Wie könnt ihr also irgend etwas Schlechtes tun? Habt Ehrfurcht davor!

Einmal geschah es in meinem Leben, dass viel Propaganda gegen mich gemacht wurde. Der Meister hatte mich gebeten, zweihundertfünfzig Menschen beim mo­natlichen Satsang zu initiieren. Natürlich entsteht dadurch Konkurrenzdenken, und so begann die große Propaganda gegen mich. Ich blieb still, denn ich war wahr zu meinem eigenen Selbst. Ich wusste: "Gott ist in mir, der Meister ist in mir!" Sie rich­teten es so ein, dass ich acht Monate lang nicht mit dem Meister sprechen konnte – solch einflussreiche Leute waren daran be­teiligt.

Einmal war mein älterer Bruder, der auch initiiert war, bei mir und ich sagte ihm: "Wenn du zum Meister gehst, dann frag ihn gelegentlich, ob ich eine Sünde begangen habe." (Doch die Augen meines Meisters bestätigten es mir bereits, ver­steht ihr?) Als mein Bruder ihn fragte, sagte der Meister: "Er hat nichts Falsches getan, weder wissentlich noch unwissent­lich. Aber ungewöhnlich ist, dass er, ob­wohl soviel über seinen Kopf hinwegging, niemals zu mir gekommen ist, um zu sa­gen, dass die Propaganda, die verbreitet wird, nicht richtig ist."

Ich hatte meinem Meister niemals eine Frage gestellt, außer zwei oder drei zu Beginn, als ich ihn traf. So bat ich ihn natürlich: "Ich möchte gern ein paar Mi­nuten zu dir kommen!" – "Ja, du bist willkommen!" – In der Nacht, als alle gegangen waren, sagte er: "Komm und schließ die Tür!" Ich saß bei ihm und sagte zu ihm: "Meister, ich bin deswegen nicht zu dir gekommen, weil ich weiß, dass du in mir bist, jede einzelne Hand­lung beobachtest und selbst den zukünf­tigen Verlauf meiner Handlungen siehst. Das ist der Grund, weshalb ich nicht zu dir kam."

Seid wahr, sage ich euch. Das ist eine sehr wichtige Eigenschaft. Doch wir kümmern uns nicht darum. Wir verkau­fen den Propheten Joseph um ein paar lächerliche Münzen. Ihr verspielt euer ewiges Leben für ein paar weltliche Din­ge. Seid wahr. Habt Ehrfurcht: "Er sieht mich! Er beobachtet mich!" Das sind zwei Voraussetzungen (für den spiri­tuellen Fortschritt).

Das dritte ist: Er gibt euch eine Ver­bindung mit jener Kraft, dem Wort, und zeigt euch, wie ihr euch nach innen erhe­ben könnt und mit Naam oder dem Wort, dem Licht- und Tonprinzip in Verbindung kommen könnt. Seid regel­mäßig und kommt täglich damit in Ver­bindung. Das ist das Brot des Lebens.

Versäumt es nicht. Wenn ihr es tut, was wird dann geschehen? Ihr werdet von Tag zu Tag fortschreiten und inneren Frieden und innere Freude erlangen. Alle Gebete die ihr sprecht und alle äußeren Formen der Verehrung werden gesegnet sein. Wenn ihr betet, werdet ihr Ihn vor euch sehen. Was ihr in den Schriften lest, wird dann immer lebendig für euch sein. Diese Dinge werdet ihr erfahren, und ihr werdet allen Frieden erlangen. Wenn eure Seele zurückgezogen wird, kommt ihr mit der Gotteskraft in Verbindung. Je mehr unser Bewusstsein mit dem All-Bewusstsein in Verbindung kommt, desto mehr wird es vor Freude, Frieden und Allwissenheit überfließen.

Gott ist Allwissenheit.

Die Meister sprechen niemals von der Ebene des Intellekts, sie sprechen das aus, was direkt von innen kommt. Emmerson sagt: "Die Gedanken, die kommen, ohne zu denken, sind immer vollkommen!" Was macht der Meister? Er liebt alle, selbst die Sünder. Für einen Sünder hat Er sogar mehr Mitleid und Liebe, denn Er betrachtet ihn als Kind Gottes. Seine Ar­beit ist, alle Kinder Gottes zusammen zu bringen. So müsst ihr euch für den Weg vorbereiten. Jedoch noch etwas mehr ist notwendig.

Die Frage wird gestellt: "Wie wurdest du zum Geliebten Gottes und Gott dein Geliebter?" – Ihr könnt es am Beispiel ei­nes Mädchens verstehen: Sie ist ihrem Mann ergeben, mit Herz und Seele. Sie ist wahr zu ihm und lebt so wie er es von ihr wünscht. Was wird das Ergebnis sein? Sie liebt ihren Mann und ihr Mann liebt sie nun auch mehr und mehr. Wenn er sieht, dass sie etwas möchte oder braucht, dann wird er ihr alles geben, ohne dass sie darum bitten muss. Die Frau liebt ihren Mann und der Mann liebt seine Frau. Das ist ein weltliches Beispiel. Wenn die Meister ihre Lehre verkünden, legen sie sie auf beide Arten dar (spirituell und weltlich).

Jene, die Gott lieben, kommen mit Ihm in Verbindung und wenn sie Ihm ganz ergeben sind, werden sie nicht mehr nach ihrem eigenem Willen handeln. Er liebt sie sehr. Die Meister lieben Gott und Gott liebt die Meister. In Wirklich­keit ist der Meister Gott, der durch den menschlichen Pol wirkt. Es erhebt sich die Frage: "Wie können wir zum Gelieb­ten Gottes werden?" Einfach dadurch, dass wir es so tun, wie es jedes Mädchen, jede Frau tun würde. Wenn ein Mäd­chen verlobt ist und ihrem Mann wirk­lich im Herzen verbunden ist, denkt sie die ganze Zeit an ihn, nicht wahr? Und das hat eine Auswirkung im Herzen des anderen – dann ist sie in seinem Herzen und er in ihrem Herzen. So entwickelt sich Empfänglichkeit. Und was bewirkt das? Der eine wird das tun, was der an­dere macht.

In Indien gibt es eine Geschichte von einem Lehrer, der seinen Schüler sehr liebte. Der Schüler hatte eine unzulängli­che Handschrift, er kritzelte. Der Lehrer liebte ihn so sehr, dass auch er anfing, zu kritzeln. Das ist das Schicksal der Liebe, sage ich euch. Liebe hat große Macht. Ein Heiliger betete: "Oh Gott, du hast mich von der Welt und allen ihren Fesseln be­freit. Gib nun acht auf dich, denn jetzt bist du (durch die Liebe) mehr gebunden als ich!" Dies zeigt, wie wir zum Geliebten Gottes werden können, wenn wir Ihm ge­horchen.

Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote! Lasst meine Worte in euch wohnen und wohnt ihr in mir!

Nur dann ist es möglich. Wir jedoch ge­horchen den Anweisungen des Meisters nicht. Wessen Fehler ist es dann, wenn ihr keinen Fortschritt oder nur wenig Fort­schritt macht oder sogar alles verliert, was ihr hattet? Der menschliche Körper ist die goldene Gelegenheit, die uns gegeben wur­de. Wer den menschlichen Körper erhal­ten hat, hat das Geburtsrecht, Gott zu er­kennen, sage ich euch. Wir jedoch vergeu­den diese goldene Gelegenheit für Nichtig­keiten – für ein paar Vergnügungen, die wir durch die Sinne erhalten. Nun prüft euch selbst und seht, wo ihr steht.

Das nächste ist die Reinheit. Was er­wartet ein Mann von seiner Frau? Rein­heit. Sie sollte ihn allein lieben, denn Gott hat sie ihm zur Gefährtin gegeben und sie mit ihm vereint. Sie sollte ihrem Mann er­geben sein. Das ist ein weltliches Beispiel. Genauso sollte einer, der Gott liebt, Gott ergeben sein und nicht erlauben, dass etwas zwischen ihm und Gott steht. Was er tut, tut er für Gott. Alles, was die Frau tut – all die Dinge, die sie im Haus verrichtet, ohne Bezahlung und ohne Dank dafür zu erwarten – tut sie, um die Liebe ihres Ehemannes zu gewinnen, nicht wahr? Das ist die Reinheit der Ge­danken, die notwendig ist. Das Tage­buch wurde euch gegeben, um Wahrhaf­tigkeit, Liebe für Gott und Liebe für alle zu entwickeln. Liebt alle um Seinet wil­len.

Liebe Gott mit ganzem Herzen, mit aller Kraft, mit deiner ganzen Seele und deinem ganzen Gemüt!

Liebt die ganze Menschheit. Seht Gott in euren Söhnen und Töchtern, in eurem Ehemann oder eurer Ehefrau. Seid wahr. Was ist das für eine Liebe, wenn man zuerst den einen liebt und dann zum nächsten geht? Liebe, die sich wandelt, ist keine Liebe. So sollten wir um der Liebe Gottes willen alle lieben, denn Er wohnt in jedem Herzen. Es gibt kein Herz ohne Ihn. Wir sollten rein und nur Gott allein ergeben sein, nicht anderen. Selbst wenn ihr euren Meister liebt, liebt ihn deshalb, weil Gott in ihm ist. Der Menschensohn, in dem jene Kraft wirkt, ist gesegnet; und diese Kraft ist auch in euch. So könnt ihr also die Liebe eures Ehemannes gewinnen und er wird alles für euch tun, sage ich euch.

Die Meister erklärten diese Dinge auf weltliche Art. Ein Mahatma sagte: "Die Meister sind die Arbeiter im Hause Gottes; was sie auch tun, Gott verwehrt ihnen nichts, sie sind Seine geliebten Söhne!" Maulana Rumi (persischer Heiliger) sagt: "Wenn ein Pfeil vom Himmel herabge­schossen wurde, so hat der Meister (wer ist der Meister? Gott in ihm, nicht der menschliche Körper) die Macht, den Pfeil mitten im Flug umkehren zu lassen." Die Frage erhebt sich: "Ist er größer als Gott?" Nein! Gott liebt ihn. Was immer er – Gott in ihm tut – das nimmt Gott an. Der Meister sagt: "Wir sind gebunden, oh Gott! Du aber kannst uns befreien. Doch wer wird Dich befreien? Du bist durch die seidenen Bande der Liebe ge­bunden, die stärker sind als Ketten aus Ei­sen!" Das ist der Weg, wie wir diesen Zu­stand erreichen können. Was erkennt dann die Seele? Sie erkennt: "Niemand auf Erden ist glücklicher als ich!", denn Gott liebt sie.

Wenn eine Frau weiß, dass ihr Mann sie liebt, wie glücklich fühlt sie sich! Ein sol­cher Liebender Gottes – oder die Lieben­de – würde ich jetzt sagen (denn unser wahrer Ehemann ist Gott, Er ist der Ehe­mann der Seele, nicht des Körpers. Für den Körper haben wir unsere Gefährten; unsere Körper sind für sie) – spürt, dass Gott sie liebt. Wie glücklich ist jede Frau, die im Herzen überzeugt ist, dass ihr Ehe­mann sie liebt! Wenn du fühlst, dass Gott dich liebt, gibt es nichts mehr zu sagen und auch nichts mehr, worum man bitten müsste. Ein Gebet kommt aus dem Herzen eines schwachen Menschen. Wenn man im Schoss Gottes ist, und wenn man von  Seiner  Größe überzeugt ist,  wenn Gott dein ist und du Sein bist, dann betet man nicht.

Hat eine Frau, die mit ihrem Ehe­mann verheiratet ist, sich je darum ge­kümmert, wie für sie gesorgt wird? Hier im Westen ist das anders: auch die ver­heirateten Frauen beginnen einen Beruf nachzugehen; doch im Osten kümmert sich eine Frau, wenn sie verheiratet ist, niemals darum, woher sie Kleider oder Essen bekommt. Sie sagt: "Ich bin ver­heiratet." Wenn ihr zu Ihm gehört, liegt es an Ihm, sich um Euch zu kümmern. Das sind die Gefühle eines Gottlieben­den oder einer Ehefrau. Kommt jemand zu ihr und fragt sie, welche Erfahrung sie erhielt, so wird sie sagen: "Ich sah die strahlendeste aller Sonnen in mir aufge­hen!"

Gott ist alles Licht!

Jenes Licht kommt, wenn wir uns ein wenig über den physischen Vorhang er­heben; wenn wir dann die astralen und kausalen Fesseln abschütteln, wird dieses Licht mehr und mehr und lässt sich mit dem Licht von Billionen und Trillionen von Sonnen vergleichen. Aber selbst das ist noch Dualität. Ihr seht das Licht. So sind es zwei: Der, der sieht, und das, was er sieht. Wir müssen noch einen Schritt weiter gehen, denkt daran!

Es gab einmal einen großen Heiligen, Shankara war sein Name. Er sagte: "Oh Gott, ich weiss, es gibt keinen Unter­schied zwischen Dir und mir, doch ich bin Dein, du aber bist nicht mein, denn die Welle ist Teil des Ozeans, doch der Ozean ist nicht Teil der Welle."

Wenn ihr jenes Licht aller Lichter seht, werdet ihr darin aufgehen, ihr werdet eins mit Ihm.

Das ist das letzte Ziel. Ihr werdet von jenem strahlenden Licht aufgenommen und in einen Zustand erhoben, der selbst noch über den Regionen liegt, in denen die Kraft des Wortes sich zum Ausdruck bringt – einen Zustand jenseits des Wor­tes, nennt es, wie ihr es wollt. Das ist unse­re Bestimmung, das ist das Ziel, das vor uns allen liegt.

Wir sind glücklich zu schätzen, da wir den menschlichen Körper erhalten haben. Jedoch wie weit haben wir uns entwickelt? Der größte Teil unseres Lebens ist bereits vorüber. Glücklicherweise haben wir durch die Gnade Gottes jemanden getrof­fen, in dem Gott sich offenbart. Er hat uns auf den Weg gestellt und uns eine Er­fahrung gegeben, mit der wir beginnen können. Jahre sind vergangen, und wo stehen wir? Wir sind noch nicht weiter, weil wir diese Dinge nicht beachten, wie ich euch bereits sagte.

Ich gebe euch die Essenz dessen, was al­le Meister sagten, die von Zeit zu Zeit ka­men. Das erfordert nicht, dass ihr eure Re­ligion wechselt, es erfordert keine äußere Schule, keine Riten und Zeremonien. Er­hebt euch einfach über das Körperbewusstsein. Macht den besten Gebrauch der vorbereitenden Stufen. Sie sind gedacht, Hingabe und Liebe für Gott zu entwickeln. Wenn ihr jedoch dort ver­weilt, gebt acht, dass das Licht, welches euch gegeben wurde, nicht Dunkelheit wird.

Durch die Gnade Gottes hatte ich das Glück, hierher zu kommen und euch alle zu sehen. Ich liebe euch alle, jeden Ein­zelnen – nicht aus mir selbst, sondern durch Gott in mir, durch Meister in mir. Darin liegt keine Verpflichtung. Wenn der Vater seine Kinder liebt, tut er es aus freien Stücken und genauso habe ich Liebe für euch und ich möchte, dass ihr Liebe habt für Gott in mir – und Gott in euch. Was ist dafür zu tun? Ge­horcht, und ihr werdet fortschreiten. Versteht genau den Zweck, weshalb ihr die Tagebücher erhalten habt und lebt danach. Je mehr ihr danach lebt, desto mehr Fortschritt wird da sein. Diejeni­gen, die einen guten Hintergrund haben, doch diese Dinge nicht befolgen, werden von denen, die gehorchen, auch wenn sie ganz neu auf dem Wege sind, überholt werden.

Der größte Teil des Lebens in diesem menschlichen Körper ist bereits vorüber, doch um ein bisschen Vergnügen im Äu­ßeren, verkaufen wir Joseph für ein paar Silbermünzen. Denkt einmal sorgfältig darüber nach; ich brauche euch nichts aufdrängen, ich appelliere einfach nur an euren gesunden Menschenverstand. Es ist zu eurem eigenen Besten und zu meiner Freude. Warum? Mein Meister – Gott in ihm – gab mir diese Pflicht. Ob ich erfolgreich bin oder nicht, ist nicht meine Sache; ich habe nur mein Bestes zu tun. Es ist Gott in mir (der wirkt); und euch wird geholfen werden, ohne dass ihr darum bitten müsst.

Nach ungefähr einer Woche werde ich euch physisch verlassen, aber nicht spiri­tuell. Diese drei oder vier Monate, die wir hier zusammen verbringen konnten, wa­ren die beste, goldene Gelegenheit. Wir sollten die physische Gegenwart des Mei­sters nicht unterschätzen. Doch ihr könnt die selbe Schwingung aus tausenden von Meilen Entfernung erhalten.

Gott ist in euch!

Der Meister ist Gott im Menschen, nicht der menschliche Körper, denkt daran! Er ist bereits in euch. Lebt ein­fach danach, dann zieht ihr den besten Nutzen daraus, dass ihr den menschli­chen Körper erhalten habt, und ihr wer­det, wie ich euch sagte, auch zum Ge­liebten des Meisters. Danke.